vor 6 Jahren
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Freitag, 15. März 2013
Ein neuer Bischof von Rom und ein Wechsel des Szenario
Zahlreich sind die Kommentare der vergangenen Tage, die im Erscheinen des neuen Papstes auf seiner römisch-vatikanischen Loggia und am Stil der ersten Pontifkalliturgie in der Capella Sistina einen radikalen Kurswechsel sehen möchten. Diese Betrachtungen beiseite lassend, ist es viel interessanter und sinnvoller, die Rückkehr einiger alter liturgischer Traditionen unter Papst Benedikt unter diesem Blickwinkel zu beleuchten. Wer in Papst Franz(iskus) einen selbstbewußten Durchbrecher der rezenten neubarocken Renaissance sieht, wird vielleicht durch den schönen Glanz des Althergebrachten geblendet sein: Das wirklich Schöne (und damit näher an Gott gerückte) an der neuen alten Ferula ist nicht der gefällige Stil, sondern es ist das, für was sie steht: Sie kann nicht wie ihre Vorgängerin beim blutigen "Tod Gottes" stehenbleiben, sondern muss als Kreuzesbanner für die Verherrlichung Gottes stehen, die sie in der liturgischen Feier immer repräsentiert.
Gleiches gilt für den Fanon: Wer ihn als "zur Papstmesse aller Zeiten" dazugehörig betrachtet, weil er doch "schon immer" getragen wurde, oder wer den Fanon als unrepräsentative Stofffülle ansieht, der hat für sich wohl kaum einen nennenswerten Unterschied machen können zwischen einem wohlkostümierten Theatrum sacrum und der Liturgie. Das eine schließt das andere gewissermaßen aus, denn ein "heiliges Spiel" ist die Feier der Liturgie nun gewiß nicht. Genausowenig kann ein Gewandstück mehr oder weniger zum liturgischen Gütesiegel gemacht werden. Noch viel weniger übrigens kann es Beweis sein für die Rechtgläubigkeit oder die Häresie... So wenig der Fanon die Schönheit der Stickereien einer Kasel beeinträchtigen kann, über die er sich legt, so wenig kann die Schlichtheit eines echten liturgischen Gewandes und des Auftretens die Wirklichkeit der Liturgiefeier beeinträchtigen. Die "himmlischen Mächte" sind nicht weniger bei der Liturgie zugegen, wo sie in Konzentrationslagern oder in der Kanalisation gefeiert werden muss. Es kommt vielmehr darauf an, sich ihrer häufig unsichtbaren Gegenwart glaubend bewußt zu sein - und da scheiden sich die Geister.
Dienstag, 8. Januar 2013
Necrologium cisterciense - ein Zisterziensernekrologium im Netz
Seit langem dämmerte ein für Zisterzienser wesentliches Element ihres geistlichen Biotops dahin: das Festhalten am gemeinsame Totengedächtnis der jüngst Verstorbenen aller Klöster der gesamten Ordensfamilie. Zuerst (und über Jahrhunderten hinweg) sollte durch den Versand von Todesnachrichten der Verstorbenen eines jeden Klosters das Gebetsband der großen ecclesia cisterciensis aufrechterhalten werden. Nachdem in den letzten Jahren die Nutzung des weltweiten Netzes manchen Informationsfluss erleichtert hat, griff man vielerorts auf dieses Medium zurück, um die Todesnachrichten zu verschicken. Oder man verzichtete gleich auf ein Versenden an alle Häuser der Ordensfamilie, um einzig durch ein Veröffentlichen der Nachricht auf den Ordenswebseiten das Gebet aller Schwestern und Brüder zu erbitten. Leider macht sich nicht jede Gemeinschaft die Mühe, die verschiedenen Nekrologseiten der Ordensfamilie regelmäßig zu lesen, weshalb ein nunmehr auf der Internetseite der Cistercienser Chronik veröffentlichtes allgemeines Necrologium der Zisterzienser sehr willkommen ist. Auf einen Blick hat man die Verstorbenen des Ordens (ocist/ocso und der anderen Glieder der Familie) vor Augen. Wer die Bedeutung des Gedächtnisses der Verstorbenen im Zisterzienserorden kennt, weiß um die tiefen geistlichen Hintergründe dieser Gebetszusagen jeder Klostergemeinde: Es geht um viel mehr, als um die schöne Sorge um die Verstorbenen. Für die Zisterzienser ist jede tote Schwester und jeder tote Bruder ein Vorläufer, an dessen Hand man gewissermaßen weitergeführt wird.
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Sonntag, 2. Dezember 2012
Der Eingang in den Advent
Für die Zisterzienser ist der "Eingang" in eine Festzeit immer ein wichtiger Moment. Abgesehen von dem Mythos der "Einförmigkeit", die niemals in den Klöstern des Ordens geherrscht hat (da z.B. Gemeinden außerhalb Frankreichs im 12. Jahrhundert schon Mitte November den Advent gegonnen haben), ist oder war die rituelle Grundlage des Zisterzienserlebens durchaus einförmig zu nennen. Der Eingang in den Advent ist keine Ausnahme, wie auf den obigen Reproduktionen zu sehen. Der monastische Tag beginnt ja am Abend; und die Vorabende der Feste und Festzeiten nehmen die Zisterzienser gleichsam bei der Hand. Es sind die "Vesperae vigiliae" die hier anklingen, was manche bei Reformversuchen wohl vergessen haben: Nach der Rezitation der Tagespsalmodie singt der eingeteilte Mönch das Kapitel, das den Ton angibt - "Brüder, die Stunde ist da, vom Schlafe aufzustehen."! Wer noch nicht aufgeschreckt ist, der wird es sicher, wenn alle sich zum feierlichen Responsorium bereitmachen - "Der Engel Gabiel wurde zur Jungfrau Maria gesandt, der Angetrauten Josephs, und verkündete ihr das Wort"... Es ist ja nicht so, dass es beim Gottesdienst um Ästhetik geht; und ganz sicher ist es wenig ästhetisch, wenn auf einmal, mitten in der Vesper, alle aus den Stallen zu den Büchern gehen müssen, um dort das Responsorium zu singen. Aber es ist ein großer Augenblick, wenn die Gemeinde in die Festzeit eintritt und wirklich merkt, was sie zu tun hat: Erwarten und warten, dass die Gemeinschaft zur Gemeinde wird, wenn der Engel Gabriel jetzt die Antwort einfordert. Und es ist schon eine Antwort, wenn die Gemeinschaft fastet, weil es Wichtigeres zu tun gibt, als sich ums Kochen zu kümmern.
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Mittwoch, 7. November 2012
"Häresie der Formlosigkeit" - ein Schlag nach links oder rechts?
In der letzten Ausgabe der dünnen Zeitschrift "Christ in der Gegenwart" (die ich mit einiger Vorsicht lese), fand ich einen Kommentar von Gotthard Fuchs mit dem Titel "Empor die Herzen". Dort entwirft er einen - oh Wunder - rubrizistisch-pastoralen Kommentar zu den jüngeren Entwicklungen in der römischen Liturgie. Der ausladende Gestus während der Eucharistiefeier, den manche Priester nach älterem, wiederbelebtem Muster pflegen, wird in dieser Kolumne ebenso aufs Korn genommen, wie der Neurenaissance-Stil der Papstliturgien und die Tendenz mancher Bischöfe, den Stil und die Fülle ihrer Gewandung einer byzantinischen Inszenierung anzugleichen.
Leider wurde die weitere Lektüre dieses Textes getrübt.
"Liturgien können als symbolische Inszenierungen jenes wunderbaren Zusammenspiels verstanden werden, in dem Gott Mensch wird, damit der Mensch Gott begegne und eins mit ihm werde." - Dieses Zitat führt vor Augen, was die Liturgie nicht ist: Liturgie ist nicht Symbol von etwas, was als Zeichen herhalten muss. Die Liturgie und der Gottesdienst sind wesenhaft "communio" - nämlich als reale Verbindung von Gott und Mensch zu verstehen. Und deshalb ist der Begriff der "Häresie der Formlosigkeit" (in Anlehnung an M. Mosebachs Buch) eben auch keine "Verunglimpfung derer, die in der Liturgie Kommunikation - und also Communio - großschreiben" (so meint jedenfalls G. Fuchs). Es ist aber vielleicht die große Behinderung der Neuevangelisierung, dass das Glaubensleben in seiner Gänze großflächig verlorengegangen ist: Die Gänze meint hier die notwendige und der Natur nach zusammengehörige Verbindung von Glaubenswissen und Glaubenspraxis. Dass der Gottesdienst der Kirche Symbole bereithält, steht außer Frage, ob er ein Symbol sein wird, muss sich in jeder Liturgie zeigen. In dieser liturgischen Communio nämlich, vollzieht sich eine Durchdringung von Zeit und Ort, die zum Symbol, also zum Erkennungszeichen des Christen werden muss, wenn er die liturgische Wirklichkeit weiterträgt: in seiner Beziehung zu allen, die ihm begegnen. "Actuosa participatio" ist nicht etwa nur die ständige Berieselung mit Worten (oder gar Wörtern...) und die Antwort der Gemeinde auf z.B. gestalterische Elemente. "Aktive Teilhabe" kann und muss auch die individuelle Antwort des betenden Christen in der liturgischen Feier sein dürfen, denn nicht das Kollektiv steht im Vordergrund, sondern die Herrlichkeit Gottes, die sich in der Seele des Einzelnen manifestieren möchte. Dann erst wird aus den Gliedern des Herrenleibes die Kirche als Gestalt des verherrlichten Leibes Christi. "Der Ton macht die Musik." - und da hat G. Fuchs wirklich recht!
"Liturgien können als symbolische Inszenierungen jenes wunderbaren Zusammenspiels verstanden werden, in dem Gott Mensch wird, damit der Mensch Gott begegne und eins mit ihm werde." - Dieses Zitat führt vor Augen, was die Liturgie nicht ist: Liturgie ist nicht Symbol von etwas, was als Zeichen herhalten muss. Die Liturgie und der Gottesdienst sind wesenhaft "communio" - nämlich als reale Verbindung von Gott und Mensch zu verstehen. Und deshalb ist der Begriff der "Häresie der Formlosigkeit" (in Anlehnung an M. Mosebachs Buch) eben auch keine "Verunglimpfung derer, die in der Liturgie Kommunikation - und also Communio - großschreiben" (so meint jedenfalls G. Fuchs). Es ist aber vielleicht die große Behinderung der Neuevangelisierung, dass das Glaubensleben in seiner Gänze großflächig verlorengegangen ist: Die Gänze meint hier die notwendige und der Natur nach zusammengehörige Verbindung von Glaubenswissen und Glaubenspraxis. Dass der Gottesdienst der Kirche Symbole bereithält, steht außer Frage, ob er ein Symbol sein wird, muss sich in jeder Liturgie zeigen. In dieser liturgischen Communio nämlich, vollzieht sich eine Durchdringung von Zeit und Ort, die zum Symbol, also zum Erkennungszeichen des Christen werden muss, wenn er die liturgische Wirklichkeit weiterträgt: in seiner Beziehung zu allen, die ihm begegnen. "Actuosa participatio" ist nicht etwa nur die ständige Berieselung mit Worten (oder gar Wörtern...) und die Antwort der Gemeinde auf z.B. gestalterische Elemente. "Aktive Teilhabe" kann und muss auch die individuelle Antwort des betenden Christen in der liturgischen Feier sein dürfen, denn nicht das Kollektiv steht im Vordergrund, sondern die Herrlichkeit Gottes, die sich in der Seele des Einzelnen manifestieren möchte. Dann erst wird aus den Gliedern des Herrenleibes die Kirche als Gestalt des verherrlichten Leibes Christi. "Der Ton macht die Musik." - und da hat G. Fuchs wirklich recht!
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Donnerstag, 1. November 2012
Dom Alexis Presse, das Anniversarium seines Heimgangs und die Liturgie
Der 1. November, in vielen lateinischen Riten als Gedächtnis aller Heiligen gefeiert, ist gleichzeitig der Todestag von Dom Alexis Presse im Jahre 1965. Als "enfant terrible" des zisterziensischen Aufbruchs, nach den Jahren der Rekonstituierung von nunmehr zwei Zweigen des Zisterzienserordens vor mehr als 100 Jahren, konnte Dom Alexis viel Gutes tun: Sein Wirken wurde oft belächelt, oft auch mit Stirnrunzeln bedacht und öffentlich geächtet. Die "Affäre Alexis Presse", wie seine Causa selbst in neuesten Veröffentlichungen genannt wird (so in der in mehreren Sprachen vor wenigen Jahren erschienenen Geschichte ocso), war die Affäre eines Suchenden - und ist zu einer Affäre vieler Suchender geworden! Dom Alexis hat einen Gedanken, der ihn nicht losläßt: Wie kann ich Gott suchen, und wie kann ich den Menschen, die mir begegnen, bei ihrer Gottsuche helfen, ohne den Blick entweder nur auf Gott oder nur auf die Menschen zu richten? Seine Lösung des Problems war zu einfach - und sie war deshalb nicht allgemein verständlich. Dom Alexis, als hochgebildeter Theologe im wahren Sinne des Wortes, nahm relativ bald auf seinem Weg, der zur "Affäre" wurde, die Traditionen seines Ordens, der Zisterzienser also, und prüfte sie auf ihre Wegtauglichkeit, indem er neben sie das Evangelium legte. Bei der Prüfung gebrauchte er die Hilfsmittel, die ihm zur Verfügung standen: die Wissenschaften der Theologie und der Historie (und die des Rechts... um sich verteidigen zu können...). Er führte Neues ein in den Gemeinschaften, die ihn zu ihrem geistlichen Vater gewählt hatten (zuerst Tamié, dann Boquen). Das Neue stand im Gegensatz zu vielem von dem, was bislang durch Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte Geltung besaß. Dom Alexis war sich bewußt, dass dieser Kurs nicht ohne Konfrontationen gehalten werden konnte. Er blieb am Steuer, ohne seinen eigenen Untergang zu fürchten. Die Frage seines Lebens - Wie Gott suchen und zu ihm gelangen? - löste er idealtypisch: Er machte sein Leben zur Liturgie. Diese Lösung fand er bei den Zisterzienservätern (und nicht im Kirchenrecht). Die Väter von Cîteaux hatten einfach gelebt, was ihnen anvertraut worden war. Sie hatten sich gegen das gestellt, was ihrem Ruf entgegenstand. Sie hatten jahrhundertealte Regeln gebrochen, um neue aufzustellen. Aber sie waren nicht Herrscher über eine Idee, sondern Vasallen des größten Königs, Teilhaber am Himmlischen Königreich. Diese Teilhabe lebten sie hier und jetzt, im "paradisus claustralis", dem klösterlichen Paradies. Dom Alexis Presse kannte die Väter und wußte um ihre Lebensleidenschaft: sie - so erkannte er damals - feiern zeit- und schrankenlos die Himmlische Liturgie, in ihren Klöstern und im Himmel, der auf Erden beginnt. An dieser Erkenntnis scheiterte Dom Alexis wohl vielleicht, denn sie läßt sich nur noch schwer in die engen Grenzen der Neuscholastik integrieren. Heute würde Dom Alexis vielleicht nicht mehr ausgeschlossen. Verstanden hingegen würde er wohl ebensowenig wie damals.
Alle Heiligen, unsere Mütter und Väter, ihr Märtyrer und Bekenner, bittet bei Gott für uns!
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Samstag, 24. März 2012
Der Gottesdienst als Lebenswirklichkeit
Der Gottesdienst der Kirche besteht nicht nur aus ehrwürdigen und ästhetisch in Form gebrachten Texten und Gebeten, deren Rezitation oder Gesang, in einer bestimmten Ordnung absolviert, den Menschen am Ende der Feier geheiligt entlässt. Die Liturgie ist kein Wellnessbereich, in dem man die Seele baumeln lassen kann. Die Liturgie ist auch kein Kontor mit Kirchenbindung, in dem Gutschrift und Schulden buchhalterisch abgerechnet werden. Für mich ist es ein Grauen, wenn manche Menschen Gott vorrechnen zu können meinen, was dem himmlischen Vater geschuldet ist und was diese Schuld abträgt. Das Gebet ist eines der anspruchsvollsten christlichen Werke, das dem Christen aufgetragen und geschenkt ist. Manchmal will es scheinen, dass diese Maxime aus dem Blickfeld gerät. Nämlich dann, wenn die Größe Gottes dazu verleitet, allzu menschlich ins Rechnen und Abwägen zu verfallen, um die Seele zu beruhigen. Vor dem dreifaltigen Gott ist die Seele wie atemlos; sie versucht, sich in Gott zu wiederzufinden, und stößt an die Grenzen ihrer Geschöpflichkeit. Das Paradoxon Gottes ist sicher auch seine "unermessliche Winzigkeit". Durch sie hat er sich vielleicht (oder auch nicht) so weit entäußern wollen, dass Gott Fleisch und menschliche Grenzen angenommen hat. Ohne das, was wir die Regel, den Ordo, das Typikon nennen, wären wir überfordert. Wir sind eben nicht ohne unsere Begrenztheit denkbar. Und deshalb sind die Regeln ein Geschenk und eine Herausforderung. Zu meinen, die Feier der Liturgie unter "Karenzbedingungen" - unter Rahmenbedingungen, die der Würde nicht widersprechen und die gnadenvermittelnde Teilnahme erlaubt, könnte genügen und könnte unser Gewissen befriedigen, ist wohl ein Trugschluss. Die Liturgie und der Gottesdienst sind nicht rechentechnisch abzuhaken und Gnaden sind nicht zu verbuchen! Und da werden die Probleme nur wieder zu gut sichtbar: Die Diskrepanz der Empfindungen (im Gestern und im Heute) ist eine unauslotbare Komponente in der Überlieferung des christlichen Frömmigkeitslebens. Waren unsere monastischen Vorfahren weniger fromm, weil sie nicht nur nicht täglich die Eucharistie feierten, sondern diesen Unterschied zur heutigen Wirklichkeit auch noch unthematisiert ließen? Dieser Umstand läßt sich nur vordergründig durch Mentalitätsverschiedenheit erklären. Auch die zugrundeliegende "Theologie der Liturgie" spielt nicht die Rolle in diesem Zusammenhang, die wir ihr wohl zuweisen würden. Es ist ein großer Unterschied, ob man Theologie betreibt, oder ob man sich für die Theologie bereit hält. Die Mönche und Mönchinnen des Mittelalters (zumindest läßt sich das aus den alten Texten herauslesen) gehören zu denen, die sich bereithalten. Das ist eines der schwierigsten Werke des Mönchslebens: das Bereitsein ohne Genugtuung, ohne Ergebnis. Das Eingeständnis, dass Gott in der Liturgie handelt, weil der Mensch sich bereithält und tut, was ihm richtig erscheint, wiegt schwer aus dieser Perspektive heraus. Denn sie erlaubt keine "Buchführung", kein Soll und Haben. Heute den Gottesdienst zu feiern, indem "rite et recte" zelebriert wird, aber ohne wirkliche theologische Perspektive im obengenannten Sinne, das ist "Buchhaltermentalität" und wirkt zerstörerisch - nicht auf die herrlichen Gnadengeschenke der Liturgie und des Gebets, aber auf die menschliche Seele, die in ihren Grenzen gequält wird, anstatt während des Gottesdienstes in die heilsame Lebenswirklichkeit Gottes eintauchen zu können.
Sonntag, 12. Februar 2012
Liturgie und Leben
Obwohl auch an den Zisterziensern die Reform der liturgischen Bräuche und Gewohnheiten nicht spur- und schadlos vorübergegangen ist, möchte ich heute daran erinnern, wie bis vor einigen Jahrzehnten in den meisten Gemeinden die Zeit vor dem Beginn der Heiligen Vierzig Tage als schrittweie Annäherung an die große Fastenzeit begangen wurde. Wir stünden schon jetzt in der Vorfastenzeit, der "Septuagesima", wie diese Zeit nach ihrem ersten Sonntag genannt wurde. Im byzantinisch geprägten Osten zeichnet sich diese Zeit heute noch durch schrittweisen Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel aus: Am "Sonntag des Fleischverzichts" wird zum letzten Mal vor Ostern Fleisch gegessen, am "Sonntag des Käseverzichts" werden zum letzten Mal tierische Produkte genossen, bevor in der vorösterlichen Fastenzeit auf als dies verzichtet wird. Nicht alles war notwendig in der langen Gebräucheliste, die die Liturgie im Laufe der Jahrhunderte anlegen ließ. Es wäre allerdings sehr kurzsichtig, die Notwendigkeit zum Maßstab des Sinnvollen zu machen. Sinnvoll ist das verliebte Gespräch zweier Menschen nicht unbedingt, aber es gehört ebenso dazu wie die Sinnlosigkeit verliebter Gesten. Dass die Liturgie zum Ort der Liebe und der liebenden Vereinigung zwischen Gott und Mensch werden soll, darf nicht in Vergessenheit geraten. Die Uhr im Hinterkopf, die auf höchstens eine Stunde begrenzen möchte, was ein Liebender in Ewigkeiten rechnet, tötet die "Sonntagspflicht" - ein Wort, das vor dem Hintergrund der Liebe ebenso lächerlich wird, wie die kanonistischen Regelungen zur Erfüllung oder Nichterfüllung von Fastengeboten. Die Karnevalszeit kann wieder ins Gedächtnis rufen, wie wichtig es ist, der Regel ein menschliches und schönes Gesicht zu geben. Es bliebe tatsächlich nur das Gute zurück, wenn jenseits sinnvoller liturgischer Praktiken und kirchenrechtlicher Regelungen auch die Leidenschaft im hohen Sinn des Wortes ihren Platz zurückerhielte.
Mittwoch, 11. Januar 2012
Die Liturgische Bewegung und die Orden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
Es lohnt sich, Kolloquiumsankündigungen durchzusehen. Eben finde ich eine Veröffentlichung des KADOC - European Forum on the History of Religious Institutes in the 19th and 20th Centuries. Am 8. und 9. November 2012 veranstaltet dieses Institut ein Kolloquium über die Auswirkungen der Liturgischen Bewegung auf manche interessanten Aspekte, die relevant sind für die Liturgie als solche und für alles, was sich ihr zuordnen lässt. Hat der Gedanke einer Neubesinnung auf das liturgische Erbe zu einem Erstarken bzw. einem Wiedererwachen der liturgischen Musik geführt? Hat die Kunst durch einen neuen und tieferen, oder nur scheinbar zeitgemäßeren Blick auf die Liturgie der Kirche sich adäquater in den Dienst der Kirche stellen können? Welche Orden haben sich aktiv in die liturgische Bewegung integriert, international oder wenigstens regional vernetzt? Hoffentlich kommen die Belange der Zisterzienser zur Sprache! Einige gewichtige Gestalten dürfen in diesem Zusamnahng nicht vergessen werden: Dom Alexis Presse, Dom Sighard Kleiner, Dom Bernhard Kaul (Hauterive). Aber auch Abt André Malet, Abt Karl Braunstorfer (Heiligenkreuz), P. Fulgentius/Fulgence Schneider (Koningshoeven) und manch andere Zisterzienser sollten durchaus gewürdigt werden, schließlich hatten sie versucht, durch intensives Studium und konkretes Handeln bzw. durch Veröffentlichungen ein neues, tieferes Verständnis für das liturgische Leben in den Klöstern aufbrechen zu lassen. Die (zum größeten Teil nicht bekannten) Bemühungen der Liturgiekommission ocist/ocso nach dem 2. Vatikanischen Konzil zeigen zu Genüge, dass dieses Bemühen fruchtbar war und gesunde Fundamente hatte. Es bleibt zu wünschen, dass die Kolloquiumsveranstaltung in Leuven / Louvain diese Aufbrüche würdigen wir. Hier die Internetpräsenz des Instituts: KADOC - Relins
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Samstag, 8. Oktober 2011
Das Schöne und der (Einzig-)Schöne... und Hans Urs von Balthasar
Cîteaux...
Heute wiederge- und des Bedenkens für würdig befunden. Ein Text von Hans Urs von Balthasar:
"Ob "schöne" Liturgie (die um schön zu sein, gewiß nicht des für die meisten unverständlichen Lateins bedarf) nur für gewisse Generationen schön ist, während nachfolgende ihre Schönheit nicht mehr wahrzunehmen vermögen, kann als Frage offenbleiben. "Auch das Schöne muß sterben", und Einbalsamierungen bekommen ihm nicht. Aber keinesfalls darf es durch Häßliches oder Gemeines, durch Triviales oder Gehaltloses ersetzt werden, sondern bestenfalls durch Schlichtes, das dem nicht mehr verständlichen weltlich Großartigeren an Würde nicht nachzustehen braucht. "Selig die Armen im Pneuma", falls sie nur ihre Armut eingestehen und sie nicht für sich selbst zu bemänteln suchen. Wenn ein Geschlecht keine echten religiösen Bilder für die Kirche zu schaffen vermag, soll es nicht sagen, leere Wände konzentrierten den Geist wirksamer auf das Wesentliche. Wenn wir kleine Leute geworden sind, sollten wir das Mysterium, das wir feiern, nicht auf unser Format zu reduzieren suchen."
(Ausz. aus: In der Fülle des Glaubens. Hans Urs von Balthasar-Lesebuch. Hrsg. v. Medard Kehl und Werner Löser. Herder 1981, S. 317)
Heute wiederge- und des Bedenkens für würdig befunden. Ein Text von Hans Urs von Balthasar:
"Ob "schöne" Liturgie (die um schön zu sein, gewiß nicht des für die meisten unverständlichen Lateins bedarf) nur für gewisse Generationen schön ist, während nachfolgende ihre Schönheit nicht mehr wahrzunehmen vermögen, kann als Frage offenbleiben. "Auch das Schöne muß sterben", und Einbalsamierungen bekommen ihm nicht. Aber keinesfalls darf es durch Häßliches oder Gemeines, durch Triviales oder Gehaltloses ersetzt werden, sondern bestenfalls durch Schlichtes, das dem nicht mehr verständlichen weltlich Großartigeren an Würde nicht nachzustehen braucht. "Selig die Armen im Pneuma", falls sie nur ihre Armut eingestehen und sie nicht für sich selbst zu bemänteln suchen. Wenn ein Geschlecht keine echten religiösen Bilder für die Kirche zu schaffen vermag, soll es nicht sagen, leere Wände konzentrierten den Geist wirksamer auf das Wesentliche. Wenn wir kleine Leute geworden sind, sollten wir das Mysterium, das wir feiern, nicht auf unser Format zu reduzieren suchen."
(Ausz. aus: In der Fülle des Glaubens. Hans Urs von Balthasar-Lesebuch. Hrsg. v. Medard Kehl und Werner Löser. Herder 1981, S. 317)
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Freitag, 13. Mai 2011
Der Weg zu Gott - Gedanken zur Instruktion "Universae Ecclesiae" bzgl. der Umsetzung von "Summorum Pontificum"
In einigen interessierten Kreisen hat die Instruktion "universae ecclesiae", die am heutigen Tag veröffentlicht wurde, ein breites Echo ausgelöst. Wirklich zu Recht? In Deutschland halten die äußerst besorgten Bischöfe ihre schützende Hand über ihre Herden und versuchen verzweifelt, den verderblichen Einfluss einer ihnen höchst unzeitgemäß erscheinenden liturgischen Erneuerung abzuwenden. Tatsächlich verdienen es alle aufrechten Christen hierzulande, vor noch größerem Verderben bewahrt zu werden. Die unausgegorene Liturgiereform von 1969/70 im Fahrwasser des 2. Vatikanischen Konzils hat nicht nur bei den Gläubigen keinen rechten Anklang gefunden (da sie offenkundig nur noch nachhaltiger erschüttert wurden), sondern das Wissen um die dogmatischen und geistlichen Grundlagen des Glaubens nur noch weiter verblassen lassen. Natürlich ist dieses Fiasko nicht einzig den Machern der erneuerten Liturgie anzukreiden! Es ist die Folge einer langen Engführung im liturgischen ind disziplinären Leben der römischen Kirche, die schon im Mittelalter eingesetzt hat - und zwar zu dem (zeitlich sehr gedehnt anzusetzenden) Zeitpunkt, da das Geheimnis und das Wesen der Liturgie vor dem römisch geprägten Intellekt zu verblassen begann. Dass bis heute die "Persolvierung" bestimmter Handlungen in der Liturgie einen größeren Stellenwert einnehmen kann, als es die liturgische Wirklichkeit tut, bleibt eine kuriose Folge, zumal sich die Verfechter der Liturgiereform von 1969 ff. oft dieses Umstands nicht bewußt zu sein scheinen. Gott sei es gedankt: Als Zisterzienser unterstehe ich NICHT dem römischen Ritus, sondern meinem eigenen, zwar lateinischen, aber eben doch nicht römischen Tisterzienserritus. Nicht nur für seine im engeren Sinne liturgischen Traditionen darf ich dankbar sein, sondern auch für seine disziplinären Überlieferungen. Dass die persönliche Frömmigkeit keineswegs leer ausgeht, brauche ich nicht zu betonen. Was ich allerdings betonen möchte, ist die grundlegende Bedeutung aller dieser Komponenten für das christliche Leben in der heutigen Welt. Unsere Liturgie ist Teil der himmlischen Liturgie und Spiegel unseres Glaubens, den wir mehr denn je zu bezeugen haben - glaubwürdig, wie ich meine.
Montag, 14. Februar 2011
Liturgie und Glaube
Eine entscheidende Frage für mich bleibt: Wie setze ich ins Leben um, was ich glaube. Feiere ich die Liturgie und den Gottesdienst wirklich so, dass mein Herz und mein Geist, mein Körper und mein Verstand hingezogen werden zum Ursprung meiner Sehnsucht und meines Glaubens? Die aufgeklärte Menschheit braucht nur noch bedingt die Ehrfurcht, den ehrfürchtigen Umgang mit dem Heiligen, das unseren Händen anvertraut wurde. Hinter den heiligen Dingen und Verrichtungen steht ja doch der Allheilige. Diejenigen, die demütigen Geistes die Vereinfachung der Riten und Gebräuche hinnehmen konnten, finden meinen größten Respekt. Ich selbst vermag es nicht mehr, die Vereinfachung in Form der Verwahrlosung zu ertragen. Mein Glaube ist zu klein, zu dünnhäutig, zu bescheiden, um vor Ehrfurchtslosigkeit bestehen zu können. Es braucht das Wachstum und das Voranschreiten, aber es braucht auch das Voranschreiten zu immer größerer Behutsamkeit im Umgang mit dem Heiligen, dem Allheiligen. Mir will scheinen, als könnte ich in der Schule der alten Zisterzienser viel lernen, als könnte sie für mich wieder zur "Schule der Liebe" werden, die Gott allein im Blick hat, ohne den Menschen zu vergessen.
Mittwoch, 2. Februar 2011
Mariae Reinigung - Lichtmess - Fest der Begegnung... und die Liturgie

Das erklärte Ziel der Liturgiereform in der römischen Kirche nach dem 2. Vatikanischen Konzil war die tätige Mitfeier der Liturgie von Gemeinde und vom Volk Gottes, wie man gern sagte. Wurde das Ziel wirklich geradlinig ins Auge gefasst? Mir kommen Zweifel, wenn ich die Praxis sehe.
Abgesehen von den alltäglichen Unsäglichkeiten der "actuosa participatio", die in Form einer aktiven Teilnahme oft immer noch eingefordert wird, bleibt manchmal kein Auge trocken, wenn die "Aktivität" realiter ins Blickfeld rückt. "Purer Klerikozentrismus" fällt mir dann ein. Eine Errungenschaft der römischen Liturgiereform schien der Abschied vom Rubrizismus zu sein. Der ist freilich tatsächlich neueren Datums, kann sich nicht auf Phrasen stützen wie "Liturgie aller Zeiten" u.ä.M.(m.). Unsere Zisterzienserliturgie, die als solche ihre Zeugen hat in der Literatur der ersten Jahrhunderte der zisterziensischen Ordensgeschichte (Caesarius von Heisterbach z.B.), sie kennt den schönen Brauch der Darbringung der Kerzen an Mariae Reinigung / Lichtmess. Und was für ein Bild bietet sich heute oft? Die Zurüstung des Altars - ein Ritus, den der Priester als Beauftragter der Kirche, legitimiert durch die anwesende Gemeinde (!) vollzieht - sie geschieht unter dem hockenden Blick der Gemeinde, die sitzt und hoffentlich das Geheimnis betrachtet, das vollzogen wird. Wo ist hier die Liturgiehistorie? Unterstützt die Gemiende auf solche Art ihren Beauftragten, indem sie sich bei dieser heiligen Handlung hinsetzt, als wäre sie nicht beteiligt, als würde ein purer Veraltungsakt getätigt? Und am Festtag der Reinigung Mariens kommt der schöne Ritus der Opferung der Kerzen hinzu. Hier wird die Gemeinde noch mehr geadelt, als sie es sonst eigentlich schon ist. Sie darf nicht nur die "Benedicta", die heiligen Gaben von Brot und Wein, darbringen, sondern auch die geweihten und brennenden Kerzen, mit denen sie eben zur Liturgie gezogen ist. Überholt? Zu aufwendig? Veraltet? Gar: Demütigend?? Das Gebet zur Benediktion der Kerzen schließt mit dem Blick auf den Bräutigam, Christus, dem wir mit brennenden Herzen entgegengehen wollen. War das eine überholte Liturgie?
Samstag, 4. Dezember 2010
Vorweihnachtliche Fastenzeit
Heute oft vielgeschmäht, zählte die Adventszeit bis vor wenigen Jahrzehnten auch noch offiziell zu den kirchlichen Vorbereitungszeiten, die sich durch das Fasten auszeichneten. Leider hat eine bestimmte römische theologische Lehrmeinung, die einzugrenzen und exakt zu bezeichnen nicht möglich ist, in der Freude über einige Errungenschaften hinsichtlich einer erneuerten Liturgie auch neue Interpretationen der Adventszeit gefunden. Schon die Liturgiereform Roms nach 1965 kann als nicht sehr gelungen bezeichnet werden. Das hat im Grunde nicht in erster Linie mit dem Ergebnis dieses umfassenden Neuentwurfs zu tun, sondern mit der Idee, die dahintersteckt. Zweifellos kannten sich die Reformer sehr gut aus in ihrem Fach, in der Liturgiegeschichte, und in der Theologie. Das reicht hingegen bei weitem nicht. Die Gelehrten haben einen neuen Ritus entworfen, ohne auf die Bedürfnisse der Kirche zu achten - grob und verallgemeinernd gesprochen. Die Umbruchssituation der 1960er Jahre brauchte, so läßt sich heute rückschauend sagen, den Schatz der Tradition! Ähnlich ist es auch mit den liturgisch wichtigen Zeiten der Vorbereitung. Natürlich ist der Advent eine Zeit der Erwartung, eine Zeit der Vorfreude und der Hingabe. Ein regelrechtes "Verbot" des adventlichen Fastens daraus abzuleiten, gehört in die unrühmliche Entwicklung einer Theologie, die sich vom Menschen und seinen tiefen Empfindungen entfernt hat. Der Liebende wird "fasten", wenn er ungeduldig auf den Menschen wartet, den er liebt. Was für eine Vorstellung also, den Advent zu einer trockenen liturgischen "Erwartungszeit" zu machen, in der sich die Haltung der liebenden Ungeduld nicht ausdrückt! Ob diese Zeit der vorweihnachtlichen Erwartung nun vier oder sechs Wochen umfasst (wie noch in frühen Dokumenten um 1150 bei den Zisterziensern) - das Fasten und die glühende Liebe, das ungeduldige Ausschauen und Suchen nach dem "Heiland", dem Erlöser und Retter, bleibt ein wesentlicher Bestandteil dieser Zeit. Sie läßt uns - wie jeder liturgische Feier - mehr oder weniger in der himmlischen Zeit stehen.
Freitag, 14. Mai 2010
Christi Himmelfahrt und die Osterkerze

Mittlerweile bin ich dünnhäutig geworden, wenn es um die Reformen in der Liturgie geht - vor allem um ihre Umsetzung. Und mittlerweile erscheinen mir diese "Reformen" oft genug als etwas geistlos, während manche alte Überlieferung, nunmehr dem Müllhaufen der Geschichte übergeben, das Herz und den Geist zu Gott erheben kann.
Die Frage, ob die Osterkerze ihren Ort bis Pfingsten im Altarraum haben sollte, ist nicht unbedingt schwerwiegend oder gar glaubensschwer. Allem zum Trotz gehört sie in die Kategorie der etwas gedankenlos eingeführten Neuerungen. Die Zisterzienser der Frühzeit haben ihr Osterlicht entzündet in der Osternacht, durften sich dann von ihm durchglühen lassen bis zur Komplet des Ostertags - und mussten bis zur Ersten Vepser des himmelfahrtstages warten, bis ihnen dieses Licht wieder aufstrahlen durfte. Nach der Komplet des Festtages wurde der "cereus paschalis" - eben die Osterkerze - entgültig gelöscht und aus dem Altarraum entfernt. Wenn man bedenkt, dass die Osterkerze eigentlich das Licht der feierlichen Nachtwache des Auferstehungsfestes ist, und wenn man vor diesem Hintergrund die Überlieferung unserer Vorväter bedenkt, dann leuchten die heute vorgebrachten Gründe für das Verbleiben der Kerze bis Pfingsten nur noch mäßig ein. Natürlich feiern wir bis Pfingsten Ostern! Aber können wir tatsächlich die Wirklichkeit des Himmelfahrtfestes verdrängen, die uns eindringlich bewußt werden will, wenn wir die Lesungen hören. Christus der Herr, Er geht von uns weg zum Vater! Das Licht der "Osterwache", das wir an Himmelfahrt noch einmal sehen dürfen, bleibt verborgene Wirklichkeit. Wir sollen nicht stehenbleiben, sondern dürfen weitergehen, auch und gerade als Mönche, denen nichts anderes aufgetragen ist, als Verherrlicher Gottes zu sein.
Gedanken, die weitergedacht werden wollen.
Sonntag, 25. April 2010
Liturgie, Mysterium und Leben
Zweitausend Jahre Liturgiegeschichte des Christentums. Zweitausend Jahre Entwicklungen und Fortführungen. Zweitausend Jahre! Der Versuch, inzwischen vierzig Jahre alt, der römischen Kirche neuen Wind zukommen zu lassen, kann durchaus kontrovers diskutiert werden. Allerdings ist es eine Tatschae, der sich niemand verschließen kann: Der Versuch wurde unternommen und er hat stattgefunden. Die Meinung, dass er mißlungen ist, ist Teil der Kontroverse um das Für und Wider einer Reform der Liturgie. Inwieweit sind die fundamentalen Werte der Liturgie besser sichtbar gemacht worden? Wo und wann hat das Volk Gottes, wie es ja gerne genannt wird, wirklich mehr Anteil an der Liturgie? Was sind das für Reformen, bei denen unterm Strich der Klerikalismus fröhliche Urständ feiert, wo hingegen Trient beinahe individualistisch war? Alle diese Fragen sind gestellt worden, werden immer wieder gestellt und lassen sich so schwer beantworten. Sie stellen sich bei den liturgischen Haltungen der Gemeinde, bei der "Auswahl von Texten" und bei der "Gestaltung" der Liturgie; sie stellen sich, wenn selbst studierte Kleriker und gebildete Menschen in infantile Verhaltensmuster zurückfallen und elementare Verrichtungen des Gottesdienstes getrost dem "Liturgievorstand" überlassen. "Er macht das schon." meint da der irritierte Beobachter herauszuhören. Es geht um Form und Ästhetik? Es geht um das rechte Bild vom frommen Koinobiten, der dem ästhetisch geschulten Auge der Laien ausgesetzt wird?
Um was geht es denn wirklich?
Um was geht es denn wirklich?
Sonntag, 18. April 2010
Die Osterzeit - Zeit der Auferstehung
Pascha Domini - Pascha des Herrn!
Für die Zisterzienser eine Hochzeit, die sich auszeichnet durch einige Besonderheiten des liturgischen Lebens: Schon in der Oktav des Pascha sind die drei ersten Tage arbeitsfrei, was die Tage aufwertet und sie zu Festtagen im wahrsten Sinne des Wortes macht. Die Mönche haben Zeit für die Lesung, die lectio, die Gottesdienste werden "wie an Apostelfesten" gefeiert, das heißt mit besonderer Feierlichkeit. Das Fasten wird ausgesetzt, die Kniebeugung ist generell untersagt. Diese alten Überlieferungen und ihre Befolgung stellen die Zisterzienser in die lange Reihe jener Menschen, die ihr Leben nicht dem eigenen Gutdünken anheimstellen, sondern die es "apostolisch", in der Nachfolge der Apostel, leben möchten. Damit wird das Leben auch ganz "evangelisch" und ganz "christlich". Dazu bedarf es im übrigen auch nicht großer Events und ausladender Gesten. Das Wesentliche bleibt die Wirklichkeit des Glaubens und des darauf gegründeten Lebens in Christus. Das Heilige Bild des Erlösers, das die Mönche am Karfreitag in der "adoratio Crucis", der Anbetung des Kreuzes, verehrt haben, bleibt ein Zentrum in der Zisterzienserkirche. Es kann keine Rede davon sein, dass diese Mönche Vorläufer der protestantischen Bilderstürmer waren. Die Kerze mit dem Licht der Auferstehung bleibt präsent und steht dafür, dass das Zeichen der Erlösung mit dem Gekreuzigten auch das Zeichen des auferstandenen Königs ist, den unser Leben verherrlichen will.
Sonntag, 14. März 2010
Die Zisterzienser und ihr Marianisches Offizium

Ein zufälliger Fund in einem alten Jahrgang der Cistercienserchronik:
"Das tägliche Marienlob im Orden von Cîteaux" von P. Ludwig von Fricken (33. Jg., 1921).
Ein kleiner Auszug ist interessant und gewinnbringend zu lesen:
"Unser Marianum ist besonders geeignet, auf betrachtende Weise verrichtet zu werden, mehr als das römische kleine Offizium. Letzteres zeigt eine viel größere Mannigfaltigkeit als das unserige sowohl in den einzelnen Horen als in den verschiedenen Kirchenzeiten. Diese Mannigfaltigkeit ist aber für die stille Betrachtung nicht vorteilhaft; sie erfordert zuviel Anspannung der Seelenkräfte. Anders beim Cistercienser Marianum! Dieses ist jahrein jahraus dasselbe und hat für die einzelnenHoren nur eine Antiphon. Durch das Ganze geht der eine große Gedanke: Maria, die Mutter Gottes! Unser Officium parvum ist wohl die älteste Formder noch bestehenden Marianischen Tagzeiten. In den ersten christlichen Jahrhunderten finden wir in der Kirche fast ausschließlich die Muttergotteswürde der allerseligsten Jungfrau als Gegenstand der Marienverehrung. ..."
In jeder Hinsicht Gedanken, die zum Nachdenken anregen können, nicht nur bezüglich des Marianum, sondern auch bezogen auf die heute so zahlreichen Beliebigkeiten in der Liturgie, im Gottesdienst der Kirche...
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