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Montag, 31. März 2025

Hl. Mutter Maria Skobtsov

 Vor 80 Jahren wurde die heilige Mutter Maria von Paris, wie sie auch genannt wird, im Konzentrationslager Ravensbrück ermordet: Das war 1945, wie jetzt auch - kurz vor dem Osterfest. Die Leiden der Völker, die unter dem Joch der Nationalsozialisten schwer geprüft worden waren, sollten bald übergehen in das Leid der Nachkriegszeit. Die hl. Mutter Maria hätte wohl weitergemacht wie zuvor, wenn sie aus Ravensbrück zurückgekommen wäre. In den Jahren nach der Revolution in Rußland, wo sie zu Hause war, hat sie das Leid der Menschen gesehen und mitgetragen. Selbst nicht von Leid verschont, nahm sie als ihren monastischen Gehorsamsdienst die Hingabe für die Menschen in ihrem Kloster, das die ganze Welt war, an. So gut sie es vermochte, arbeitete sie unermüdlich für Christus im Dienst an ihren Mitmenschen. Die Freunde und die Feinde von früher - also die sowjetischen Revolutionäre -, nahm sie unterschiedslos in ihr Armenhaus in Paris auf und sorgte mit den bescheidenen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen, für sie alle. Nach der Besetzung von Paris durch die deutschen Truppen wirkte sie weiter im Geist des Evangeliums: Sie half allen, die Hilfe brauchten, Juden und anderen Verfolgten, und wurde schließlich durch einen Spitzel, der mit an ihrem Tisch gesessen hatte, verraten und angezeigt. Mit Vater Dimitri Klepinin und ihrem Sohn Juri ging sie ihren Weg weiter. Ein jüdischstämmiger Vertrauter, Ilja Fondaminski, war schon vorher deportiert und getötet worden. Alle vier sind 2004 in der St.-Alexander-Nevski-Kathedrale in Paris kanonisiert worden, alle vier sind ihren eigenen Weg zu Christus gegangen gemäß dem Wort des hl. Apostels Johannes: "Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm." Was gegenwärtig in der Welt nicht mit der Liebe Gottes vereinbar ist, wird keinen Bestand haben. Der Tod der vielen Menschen in den Kriegen kann nicht gerechtfertigt werden mit Gesetzesbrüchen der einen oder anderen Seite, schon gar nicht mit wirtschaftlichen Interessen. Die hl. Mutter Maria ist ein Vorbild in ihrem Leben und Sterben: Sie wurde wirklich zum Menschen, der Christus in sich trägt und durch den Christus den anderen Menschen begegnet.

Aus der Kurzbiographie von Mutter Maria "Ach, könnt' ich mich doch allen schenken ..." 

Die Seitenansicht aus einem Kinderbuch zum Leben der hl. Mutter Maria zeigt wie in einer Zusammenschau ihre Lebensmitte: Christus zu dienen in der Kirche und in den Menschen.

(Das kleine Buch ist erhältlich beim Verlag "Edition Hagia Sophia".)
   

Montag, 2. September 2024

Wehe euch, ... ihr Scheinheiligen

 Die Überschrift ist dem Matthäusevangelium entnommen. Es ist ein Satz, den Jesus Christus im 23. Kapitel mehrmals so und ähnlich wiederholt, um die Menschen zu warnen: das Heilige heilig zu halten und nicht das Unheilige durch Lug und Trug so darzustellen, als könne es den Menschen Nutzen bringen. Das Heilige in der Kirche ist Gott, er ist die Essenz der Kirche, also aller Menschen, die sich glaubend in Einheit zusammenfinden, um ein Leben der Anbetung in Liebe zu führen. Viel mehr braucht es nicht: Gott anbeten, das heißt, ihn erkennen in seinen Geschöpfen. Was in der Kirche geschieht, muss aus dieser Anbetung in Liebe hervorgehen. Kein Kanon im kirchlichen Recht kann der Anbetung Gottes entgegenstehen. Deshalb steht auch kein Kanon über der Tradition der Kirche, denn diese Tradition umfasst das Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche.

Wenn momentan alles darangesetzt wird, die Einheit der Kirche mittels Parteiungen in der Kirche wiederherzustellen, dann geschieht das durch Verurteilungen oder Hinweise auf verschiedene Kanones. Dass eine Lösung nicht durch Rechtssysteme und durch die besseren Beziehungen des Einen oder Anderen zustande kommen wird, liegt auf der Hand. Das Wehe im Evangelium gilt denen, die sich das Heilige unterwerfen möchten. Das Gold des Tempels ist nichtig; doch der Mensch lässt sich verführen und verblenden. Ansprüche, wie ein Primat oder die letzte Rechtsinstanz, sind nicht Privilegien einer Stadt oder einer historischen Entwicklung, sondern müssen immer auf das Ziel ausgerichtet sein, dem sie zu dienen haben: Ihr Ziel ist die Anbetung Gottes im gelebten Glauben. Wo Kaiser, Könige, Herrscher, Mächtige und Regierende als Staatslenker regieren, hat die Kirche ihren Anteil, denn die Gläubigen sind Teil eines Staates oder eines Landes. Patriarchen und Bischöfe treten als Staatsbürger in Beziehung zur Regierung, nicht aber als Hierarchen mit Staatsbefugnissen. Das Heilige ist heilig durch den Heiligen, nicht dadurch, dass man es heilig nennt.

Die Verfolgungen, denen Menschen auf der Welt ausgesetzt sind, zeigen an, wie sehr der Böse leichtes Spiel hat mit den Menschen. Man glaubt einer geschickten Rhetorik und einer gewinnenden Sprache. "Russlandfreundliche Parteien" können auf einmal zu einem Schimpfwort werden, dabei kann es nicht schlecht sein, wenn wir uns hüten vor einer Russlandfeindlichkeit, wie wir uns auch hüten sollten vor einer Frankreich-, Amerika-, Israelfeindlichkeit - die Liste der Länder und Völker ist beliebig zu ergänzen. Nur weil Staatsraison, Wirtschaftserfolge und politisches Kalkül die Völker immer wieder in schlimmste Katastrophen führen, dürfen die Menschen doch nicht das Heilige und Gute mit Füßen treten und das Verwerfliche und Böse heilig nennen!

Freundlichkeit, Friede und Freiheit, Menschenliebe und Menschenfreundlichkeit gegenüber allen und jedem Menschen sind für alle, vor allem aber für die, die zu Christus gehören, grundlegend und unverzichtbar.      

Mittwoch, 28. August 2024

Die orthodoxe Kirche in der Ukraine soll vernichtet werden - und die Welt schweigt

 ... So und ähnlich schreiben Menschen, denen die simplen Mechanismen der Macht und der Gewalt zuwider sind. Es sind Christenmenschen, die sehr wohl das Auf und Ab von Herrschaften in Ost und West zu analysieren verstehen und vor allem: die es einzuordnen verstehen in den Lauf der Welt, aber im Licht des Evangeliums.

Die ukrainisch-orthodoxe Kirche wurde per Gesetz in der letzten Woche als eliminierenswert eingestuft, der Präsident dieses Landes hat wenige Tage später per Unterschrift bekräftigt, dass das des Volkes Wille sei. Denn er nennt sich nicht Diktator, sondern Demokrat. Die Reaktion auf diese weder menschlich noch staatspolitisch tragbare Entscheidung der Eliminierung der christlichen Orthodoxie in der Ukraine bleibt bis auf den heutigen Tag zurückhalten, auch wenn orthodoxe Bischöfe und auch Rat der Kirchen, sowie der Papst in Rom ihr eBetroffenheit äußern. Es bleibt zu fragen: Was sollen sie noch mehr tun? Die Antwort darauf ist nicht befriedigend: Hilfe für die Kirche in der Ukraine kann neben dem inständigen Gebet nur in der aufrichtigen Treue zum christlichen Volk der Ukraine bestehen, die sich ausdrückt im Bekenntnis: Niemals können Hassparolen à la Selenskij dauerhaften Frieden bringen. Niemals kann Waffengewalt zum Frieden führen. Niemals werden mit Hass und Gewalt Staatsstrukturen dauerhaft stabilisiert.

Photo: Potchaev Lavra 2024

 

Die großen Prozessionen zum Fest der Entschlafung der Gottesmutter (15. August / zivil: 28. August), die unglaubliche Mengen von Gläubigen der ukrainisch-orthodoxen Kirche zusammenführen - in diesem Jahr Zehntausende! - bezeugen, dass das Volk weder den Krieg für nötig erachtet, noch dass ein Gesetz "im Namen des Volkes" erlassen worden sein kann, das scheinbar so diametral dem Willen des Volkes entgegengesetzt ist. Es ist ein Armutszeugnis demokratischer Phantasien, ein ganzes Land - die Ukraine - in den Ruin zu treiben durch das Anheizen sinnloser Zerstörungsmechanismen, die in Europa erst vor wenigen Jahrzehnten noch gewütet haben. Zu wenig scheinen unsere demokratische Strukturen geschult im Dienst an den Menschen (und noch viel weniger im Dienst vor Gott...). Ganze Divisionen von Juristen wurden nach dem Ende der Naziherrschaft wieder in Amt und Würden eingesetzt, obwohl dieselben Menschen noch kurz zuvor auf Gedeih' und Verderb' dem gottlosen Staat zu Diensten waren - verpflichtet auf die Staatsmacht durch den Gehorsam. Wenn durch diesen Gehorsam, der nur wenig mit dem Gehorsam des Menschen gegenüber Gott gemein hat, auch nur ein Mensch zu leiden hat, flüchten muss und gequält wird, dann ist null und nichtig, was als "demokratisch" angepriesen wird.

Es ist ein Armutszeugnis, wie wenig uns die Kriege in der Welt bewegen: Die Menschen sterben zu Tausenden; und was viel schlimmer ist: Ihr Tod wurde skrupellos verursacht.

Auf die Fürsprache unserer heiligen Väter, Herr Jesus Christus, unser Gott, erbarme Dich unser!     

Samstag, 12. Februar 2022

Das maskierte Schisma

Zuerst eine kleine, nicht vollständige Auflistung einiger Artikel zum Thema Schisma und Zerrüttung in den orthodoxen Patriarchaten (dem ökumenischen, von Moskau, von Alexandrien): - Facebook-Eintrag von Orthodoxie aktuell - Meldung auf Orthodox Christianity - Motivation des russ. Eindringens in das Territorium des Patr. von Alexandrien u. s. w., denn es gäbe noch zahlreiche Veröffentlichungen, die sich in den unterschiedlichen Sprachen zu diesem thema äußern; dazu kommen die Diskussionen zu diesen jeweiligen Beiträgen. Auffallend ist indes, dass es wie eine "Sprachverwirrung" vorkommen muss, wenn sich die Parteiungen gegenseitig des Unrechts und der Missachtung von Gesetzen und Kanones bezichtigen. Das Schisma zwischen den Patriarchaten ist nicht da, weil Moskau auf seiner Position beharrt, weil der Phanar unrechtmäßig Moskauer Rechte beschnitten hat oder weil Moskau auf fremdes kirchliches Territorium übergreift. Das Schisma existiert vor allem deshalb, weil die Kirche nicht auf Hass, nicht auf völkische Argumentationen, nicht auf Grenzverschiebung und politische Machtverhältnisse gründen kann, die heute so, morgen anders liegen werden. Das Schisma ist da, weil die sogenannte "Orthodoxe Kirche der Ukraine" ihre Existenz dem Hass und der Ablehnung alles "Russischen" verdankt. Dadurch war die Versöhnung der bis 2018 von der orthodoxen Kirche getrennten Menschen - praktisch aller Hierarchen, Kleriker etc. dieser Neuschöpfung des Phanar - einfach nicht möglich, da sie nicht gewollt war. Als Verwaltungsakt könnte sie - wer weiß das? - stattgefunden haben, doch das hat nichts mit dem zu tun, was Christus und was das Beispiel der Apostel der Kirche aufgetragen hat. Es ist eine abgrundtiefe Wunde: Wer unversöhnt und sogar verfälschend eine Kirchenstruktur errichten will, kann nur eine Nicht-Kirche hervorbringen, denn es fehlt das Wesentliche: die versöhnte Communio. Diese mangelnde Fundamentierung wird im Phanar seit hundert Jahren durch "Rechtsakte" übertüncht, die im Grunde völlig widersinnig erscheinen: Am Beispiel der Gebiete von Finnland, Estland, jetzt der Ukraine lässt sich eine fatale Haltlosigkeit politischer Machtspiele aufzeigen. In Finnland war die Communio jahrzehntelang zerstört, die Menschen blieben zerstritten, die Mysterien waren nicht Zeichen der Gemeinschaft, sondern Zeichen der Trennung. Erst als das Leid zu groß wurde, als die Versöhnung nicht mehr per Aktennotiz vergegaukelt werden konnte, sondern mit Leben erfüllt werden musste, konnte die orthodoxe Kirche in Finnland Wirklichkeit werden. Das Beispiel Estland ist ähnlich zu bewerten: Was ist das für eine "Kirche", die sich gründet auf das Anti-Russische, so verständlich es vielleicht erscheinen könnte nach den Ereignissen der Okkupation etc. Ohne Versöhnung fehlt die Communio, fehlt im Grunde der "rechte Glaube", die Orthodoxie. Es braucht vieles nicht in der Kirche: der Mensch bleibt Sünder, er bleibt fehlerbehaftet, subjektiv und engstirnig. Was es allerdings braucht in der Kirche ist der Wille, in der Gemeinschaft der Kirche zu leben. Diese Kirche umfasst zwingend alle, die die Mysterien empfangen und als Christen leben wollen. Deshalb gibt es keine "Versöhnung zu Sonderkonditionen", die nur die einschließt, die mir genehm sind oder die mir ersparen könnte, die Versöhnung persönlich anzubieten. Fehlt diese Versöhnung, wird die Kirche ausgeschlossen, obwohl das Dekor scheinbar stimmt. Deshalb die nachgeholte Weihe von Männern, die aus dem Schisma in die Kirche zurückkehren, deshalb aber auch die Praxis, die Weihen von römisch-katholischen Klerikern anzuerkennen (nach dem Brauch des Moskauer Patriarchats): Eine Unversöhntheit (im oben dargelegten Sinne) ist bei diesen röm.-kath. Weihevorgängen nicht anzunehmen und die Aufnahme in die orthodoxe Kirche stellt eben keinen Verwaltungsakt dar, sondern eine tiefgehende, von Gott charismatisch bewirkte Heilung. Unverständlicherweise tritt das Schisma zwischen dem Phanar, Moskau, Alexandrien, Jerusalem und Antiochien völlig in den Hintergrund, während die Folgen der schismatischen Situation in aller Munde sind. Lösungen lassen sich so freilich nicht finden. Denn die Problematik wir augenscheinlich, z. B. in den verlinkten Artikeln, überhaupt nicht benannt. Wer aneinander vorbeiredet, kann sich nicht wirklich verstehen.

Mittwoch, 12. Januar 2022

Orthodoxie, Politik - und die "Deutsche Tagespost"

Die Meldungen zum angespannten Verhältnis des griech.-orth. Patriarchats in Alexandria und dem Moskauer Patriarchat infolge des Zerwürfnisses um die ukrainische Kirche mehren sich. Die "Deutsche Tagespost" hat einen kurzen Text aus der Feder von Stephan Baier veröffentlicht unter der Überschrit "Der Riss durch die Orthodoxie wird immer tiefer". Der Text an sich ist griffig formuliert und lässt wohl nur den orthodoxen Leser stutzig werden: Wie kann es sein, dass ein Satz, der erste des Textes, den Kontext dermaßen verkürzt, dass der wenig vertraute Leser gleichsam in eine Richtung denken muss, die dem Autor eigen ist? Der Satz liest sich folgendermaßen: "Der tiefe Riss, der seit dem russischen Boykott des Panorthodoxen Konzils auf Kreta 2016 durch die orthodoxe Welt geht, ist neuerlich tiefer und breiter geworden." Die russische Kirche hatte ihre Teilnahme nicht etwa im Alleingang ausgesetzt, sondern erst nach der Absage von einigen anderen orthodoxen Kirchen. Der übernächste Satz ist zumindest eingehend zu prüfen, was hier nicht geleistet werden kann; es scheint zumindest so, dass die historische Kirche von Alexandrien einen anderen Jurisdiktionsbereich beanspruchen wollte, als es der folgende Satz weismachen möchte. Zitat Tagespost: "Damit verletzt Moskau die Rechte des Patriarchats von Alexandria, das in der orthodoxen Welt seit jeher für ganz Afrika zuständig ist." Sonderbarerweise kann schon der nächste Satz wiederum in Erstaunen versetzen, Zitat: "Diese kirchenpolitische Offensive ist nicht nur mutmaßlich, sondern erklärtermaßen ein russischer Racheakt dafür, dass sich der Patriarch von Alexandria, Theodoros, im Streit um die Jurisdiktion über die Ukraine klar auf die Seite des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios, stellte." Den Verfasser dieser Zeilen würde sehr interessieren, wie der "russische Racheakt" als ein "erklärtermaßen" gesetzter dargestellt werden kann, wenn nicht aufgrund eines grundlegenden Missverstehens der orthodoxen Ekklesiologie. Denn das Handeln der russischen Kirche bezieht sich - erklärtermaßen - auf das funktionierende Leben als Kirche, nicht als Abstrafung für verletztes Vertrauen o. ä. Freilich stimmen in diesem Punkt die "theologischen Systeme" der röm.-kath. Kirche und jetzt wohl auch des Phanar nicht mit dem orthodoxen Verständnis der Kirche überein. Damit ist nun recht deutlich in Worte gefasst, was seit Beginn der eigentlich doch kirchenpolitischen Ukraine-Frage von den Vertretern der russischen Kirche zu bedenken gegeben wird: Die Kirche kann nicht als buchhalterisches System funktionieren, sondern sie lebt einzig durch ihr grundlegendes Sein in der Gegenwart Gottes - was nun wieder recht schwach ausgedrückt ist. Deshalb ist das wirklich Beunruhigende an den Ereignisse rund um die Ukraine, den Phanar, Griechenland, jetzt auch Alexandria und Moskau nicht ein vermeintlicher "Riss durch die Orthodoxie", sondern vielmehr das durchaus mit handfesten Argumenten belegte Bemühen der russischen Kirche, den Gläubigen z. B. in Afrika das kirchliche Leben weiterhin ermöglichen zu wollen - da sich, gelinde ausgedrückt, ein Mangel an "Kirchlichkeit" eingestellt hat durch die Ereignisse rund um die Errichtung einer durch den Phanar geschaffenen ukrainischen Parallelstruktur namens "Orthodoxe Kirche der Ukraine". Zu verstehen ist diese Argumentation nicht mit der Schablone scholastischer Beweisführung. Zumindest will es scheinen, dass der Redakteur Stephan Baier genau dieser Linie zu folgen scheint, mit der er beim etwas weniger polarisierten Leser nicht wenig Verwunderung auszulösen versteht. Ein weiteres Zitat soll den Leser objektiv informieren: '„Wenn ein Hierarch mit einem Schismatiker konzelebriert, fällt er selbst ins Schisma“, begründete der Außenamtschef des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion, diesen Bruch.' Das ist ehrenvoll und journalistisch korrekt zitiert. Dieser Satz bleibt vor dem komplexen Hintergrund der orthodoxen Verfasstheit aber ein rechtes Trostpflaster für verletzte Slawophile. Und schwubb, befinden wir uns wieder mitten im II. Weltkrieg, zumindest dem Vokabular nach: "Die russische Afrika-Offensive ist nicht einfach nur eine grobe Missachtung der Rechte des Patriarchats von Alexandria, sondern eine Warnung an all jene orthodoxen Kirchen, die treu zum Ersten, Ehrwürdigsten und Ehrenoberhaupt der weltweiten Orthodoxie, dem Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, stehen. Die Loyalität zu ihm und seinen Entscheidungen hat offenbar einen hohen Preis, seit Moskau einseitig mit Konstantinopel gebrochen hat." Es ist die "Afrika-Offensive", die Rechte missachtet, aber warnen soll, dass nicht ein hoher Preis zu zahlen sein wird. Der hohe Preis, ist das nicht zuallererst die Abkehr von der orthodoxen Ekklesiologie? Diese Ekklesiologie ist nicht erst seit 2016 oder 2018 in Gefahr; sie war verwundet schon durch kirchenpolitische Schachzüge, sei es in Istanbul, sei es in Moskau, sei es andernorts. Doch immer wieder sind die Gläubigen aufgestanden und haben die Ekklesiologie verteidigt, indem sie durch Wort oder Tat aufgezeigt haben, was zu tun ist, um dem Glauben der Apostel treu zu bleiben. Mit Verwunderung liest sich der Schlusssatz des Tagespost-Textes: "Die russische Orthodoxie setzt offen auf weltliche Machtmittel zur Durchsetzung ihres Standpunkts." Damit möchte S. Baier wohl den vorangehenden Satz erklären, in dem es um die Sorge der russischen Kirche auch für die Orthodoxen in der Türkei geht: "Die russisch-orthodoxe Kirche kann sich nicht weigern, die Orthodoxen in der Türkei zu fördern." (was ein Zitat ist von Metropolit Hilarion). Interessanterweise scheint das jenes "weltliche Machtmittel" zu sein, was Baier im letzten Satz anführt: Es wäre freilich ein völlige Verdrehung und Verkennung dessen, was man selbst als Kritiker des Metropoliten Hilarion seinen Worten unterstellen könnte. Heißt das, dass die wirklich theologische Barriere zwischen Ost und West nunmehr auch intellektuell unüberwindlich wird? "Möge Gott uns vergeben!"

Donnerstag, 18. Februar 2021

Eine Erinnerung: Das Gebet um die Einheit der Kirche

Dem hl. Seraphim von Sarow wurde versprochen, dass das von ihm gegründete Kloster Diwejewo sich gegen die Angriffe des Feindes schützen könne, wenn ein Schutzwall ("kanavka") um das Kloster gezogen wird und die Schwestern allabendlich die Gottesmutter mit dem "Gottesgebärerin-Jungfrau,freue dich" grüßen. Dieser Gruß an die Gottesmutter ist nicht nur in Diwejewo eine wirksame Waffe ganz eigener Art gegen die Angriffe des Bösen. Für uns kann dieser Gruß wie ein Schutzschild wirken gegen die vielen Angriffe und Fallen, die uns und unseren Bischöfen tagtäglich bedrängen. Die meisten Schwierigkeiten, die heute die orthodoxe Kirche bedrängen, gehen nicht auf die angenommene oder tatsächliche Verdorbenheit hochgestellter Menschen zurück - eine Verurteilung ihrer Taten steht uns jedenfalls nicht zu -, sondern auf unsere meist halbherzige Hingabe. Gott und unsere Mitmenschen haben oft zu warten, bis ich ausgeruht und erholt genug bin, um Ihm und ihnen zu dienen. Eine Bitte also an alle Leser: Bauen wir einen neuen schützenden Graben, eine "unsichtbare Kanavka", mit dem Gebet, das die Gottesmutter dem hl. Seraphim ans Herz gelegt hat: die Kanavka. Eine schöne Hinführung zum Leben des hl. Seraphim ist jetzt auch als Bilderbuch verfügbar und (u.a.) beim dt. Herausgeber bestellbar: "Seraphim von Sarow".

Sonntag, 24. Januar 2021

Hagia Sophia gegen Hagia Sophia?

Es ist zu lesen (und die seriöse Quelle sei an dieser Stelle mal verschwiegen), dass das ukrainische Schisma, das die gesamte Orthodoxie verwundet hat, sich an seinen Erschaffern rächt: Die Kiewer Hagia Sophia habe die Istanbuler Hagia Sophia mit in den Abgrund gezogen; die malträtierte ukrainische Nation sei das Vorspiel für eine malträtierte amerikanische Nation. Solche Behauptungen aufzustellen, hilft nicht gerade dabei, Versöhnliches und Klarstellendes hervorzuholen. Übrigens widerspricht eine solche Auslegung der geschichtlichen Ereignisse in einem entscheidenden Punkt der christlichen Sicht auf die Welt. Alles hängt zusammen - das ist wahr. Aber nicht alles wird automatisch zum oktroyierten Verhängnis für wen auch immer. Kürzlich konnte man in der frankophonen Szene empörte Zwischenrufe vernehmen: Wie kann die Weihe eines katholisch-unierten Klerikers orthodox anerkannt werden, wenn die russische Kirche sogar orthodoxen Klerikern (in der - schismatischen - "orthodoxen Kirche der Ukraine") die Anerkennung verweigert und sie als Ungeweihte bezeichnet? Es stimmt: Alles hängt zusammen. Mit dem Unterschied, dass im letztgenannten Fall die Anerkennung von sakramentalen Akten eng mit dem unumgänglichen Willen zur Umkehr zusammenhängt, ohne den die Liebe Gottes wohl vergeblich anklopft. Der "Schismatiker" spaltet nicht unbedingt durch gegensätzliche Meinungen und Lehrsätze, sondern vielmehr durch seine Zurückweisung der "communio" in ihrer grundsätzlichsten Bedeutung: es ist bei ihm - und das eigentlich immer in der Kirchengeschichte - eine Verweigerung aller Verwundungen und Toten zum Trotz. Und wo steht zwischen all dem Schmutz und Dreck das Evangelium? Es steht mittendrin und es ist sich nicht zu schade, uns Heutige immer wieder neu seine Zwischenrufe hören zu lassen: Dass Gott heilen will, dass Gott bedingungslos heilt, wenn wir ihn bitten, dass Gott sogar alle menschlichen Schubladen wie Volk, Rasse, Nation, Kultur, ja sogar Religion ... außer Acht lässt, um dem aufnahmebereiten Menschen alles Gnadengeschenke zukommen zu lassen. Und Gott heilt sogar vorbehaltlos, selbst wenn der Geheilte ihm noch nicht einmal seinen Dank zurückgibt. Die oft verstörenden Wortmeldungen, von denen drei oben in Auszügen vorgestellt wurden, gehören ebenfalls in den Gesamtzusammenhang, der die Welt besser oder schlechter werden lässt! Gebe Gott, dass sie nicht Hass, Abneigung oder Entmutigung produzieren, sondern zu einem entschiedenen Willen zur Wahrhaftigkeit und zum evangeliumsgemäßen Handeln aufrufen.

Montag, 14. Dezember 2020

Krankheit und Gesetz

Die Evangelienperikope von der verkrümmten Frau (Lk 13,10-17) ist eine mahnende Botschaft an uns. Der Erlöser wird aus sich heraus tätig, ohne dass die Frau mit einer Bitte an Ihn herantritt. Jesus heilt sie und provoziert dadurch ein schweres Ärgernis: Am Sabbat in der Synagoge vollzieht Er die Heilung - gegen das Gesetz und seine Vorschriften! Auch wir sind diese verkrümmte Frau, und in mancherlei Hinsicht können wir uns sogar permanent in ihr wiederfinden. Christus heilt uns beständig, manchmal bitten wir Ihn darum, manchmal haben wir andere Sorgen... Solche Sorgen, die vom Wesentlichen ablenken, finden sich in der Schriftstelle: "Sechs Tage gibt es, an denen man arbeiten darf; an denen kommt und lasst euch heilen, aber nicht am Sabbat!" Der Wächter über Zucht und Ordnung in der Synagoge ist emört über diese Schändung des Sabbat - und das Gesetz ist wohl auch auf seiner Seite. Und doch ist es für ihn nur ein Vorwand. Er sieht weder die geheilte Frau, noch sieht er den Erlöser und Herrn, sondern er wird von Zorn und vielleicht auch Neid gepackt. Uns geht es tatsächlich oft genauso. - Die "Tempelordnung" läuft Gefahr, ausgehebelt zu werden. Das "Typikon" wird missachtet. Altes Recht und älteste Bräuche sind in Gefahr. Leichtsinn und Unordnung herrschen in der Kirche Christi... Alles das mag stimmen, alles das mag bedacht werden. Doch wirklich wichtig ist zuallererst: Der Herr und Erlöser der Menschen heilt hier und jetzt durch Sein sakramentales Tun, das zwar nicht rubrikengemäß ist, aber das die Fülle aller Tradition und Gesetzmäßigkeit in sich trägt. Und das ist tatsächlich auch orthodoxe Lehre: der Blick über die äußerlichen Kanones hinaus auf das Wesen des sakramentalen Handelns. "Diese Tochter Abrahams, die der Satan schon achtzehn Jahre lang gefesselt hielt, musste sie nicht am Sabbat von dieser Fessel befreit werden?" Der Herr antwortet uns exakt und mit Akribie: Seine Heilung ist der Sieg über die Fesseln Satans. Dieser "Verwirrer", der uns alle in Atem hält, musste gerade am Sabbat seine Niederlage entgegennehmen. Bei uns scheinen nur solche recht groben Winke mit dem Zaunpfahl - wenn überhaupt - Wirkung zu zeigen. Und wie lange kann man nicht brauchen, um diese längst und nur zu gut bekannte Perikope so zu verstehen? Dass all das, was uns trennt und immer mehr trennt, weil es scheinbar gegen das Gesetz und gegen die Kanones ist (und zwar auf allen Seiten!!!), nur deshalb trennen kann, weil wir nicht auf den Erlöser blicken, sondern auf das, was um ein Vielfaches kleiner und sogar erbärmlicher ist als Er. Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um die Abschaffung oder Verwässerung der Kanones, des Typikons oder der Kirchengesetze! Nichts weniger als das will die Perikope ausdrücken. Denn Christus sagt eindeutig und mit klaren Worten: "... musste sie nicht am Sabbat von dieser Fessel befreit werden?" Der Sabbat, der hier für all das steht, was uns äußerlich als Kirche zusammenhält und trägt, ist absolut unerlässlich für diese Heilung, denn erst mittels dieser äußeren Form wurde der Satan wirklich besiegt, da der Erlöser auf das Wesentliche hingewiesen hat: die Liebe in ihrer Vollform. Deshalb klingt der letzte Satz der Perikope wie das Finale einer Synphonie: "Als Er dies sagte, wurden alle Seine Widersacher beschämt, und das ganze Volk freute sich über alles Herrliche, was durch Ihn geschah." Wir, die Widersacher, und wir, die Kirche, sollten uns schämen, wenn wir das Gute aus dem Blickwinkel des "Verwirrers" vorgegaukelt bekommen und es nicht als solches erkennen (wollen?). Denn eigentlich dürfen wir uns aufrichtig freuen über die Wunder Christi, die jeden Tag vor unseren Augen geschehen. Es ist ein Evangeliumsabschnitt gegen Kurzsichtigkeit in all ihren Formen!

Freitag, 27. November 2020

Verschobene Realitäten

Neben den zahlreichen Meldungen der letzten Tage, die Angst und Unsicherheit verbreiten (wollen?), da sie das existenzielle Bedürfnis der Menschen nach Sicherheit in Frage stellen, wenn es um ihre Gesundheit und das Wohlergehen geht, kreisen auch andere im Netz, die für Christen auch existenziell sind. Es sind die Meldungen zu Äußerungen von Patriarch Bartholomäus zum Status der orthodoxen Christen in der Ukraine. Wer bislang von einem rein rechtlich fußenden Streit zwischen Ersthierarchen (Moskau / Phanar) ausging, wird allerspätestens jetzt begriffen haben, das dem nicht so ist. Es geht in der Ukraine-Frage um nichts weniger als den orthodoxen Glauben, und zwar um die grundlegenden Fragen der Kirche. Patr. Bartholomäus, so wird er in einem diesbezüglichen Beitrag zitiert, "toleriert zeitweilig" (- d.h. duldet die Zugehörigkeit zu einer anderen Denomination als der von ihm eingesetzten -) die Gläubigen der autonomen Ukrainischen orthodoxen Kirche (des Moskauer Patriarchats). Es ist spannend, die Argumentation zu verfolgen, zeigt sie doch, wie sehr die gesunden Grundlagen der orthodoxen Theologie schon beiseite geschoben sind. Für den Phanar gilt: Als kirchliches Haupt der "Ökumene" ist es recht und billig, alle Fragen innerhalb der "Ökumene" zu behandeln, auch unter Umgehung der Ortskirche. Das Problem beginnt schon an diesem Punkt: Die "Ökumene" war ein klar umschriebener Begiff des byzantinischen Reichs, der - grob gesagt - den ganzen Erdkreis umfasste. Die "Ökumene" unterstand dem Kaiser in Byzanz per definitionem. Wenn sich heute jemand "ökumenischer Patriarch" mit Sitz in "Konstantinopel" nennt, dann darf gefragt werden, welches Selbstverständnis er hat. Die Frage eindeutig zu beantworten, verbietet sich in diesem Kontext aus Respekt vor dem Bischofssitz in Istanbul. Dass es heute keine Stadt Konstantinopel mehr gibt, dass der Kaiser in Konstantinopel schon lange nicht mehr existent ist, das sind Tatsachen, die ein Christ nicht verdrängen sollte und auch nicht verdrängen darf. Beides, der Kaiser und seine Stadt Byzanz, sind für die christliche Botschaft heute tatsächlich völlig bedeutungslos. Der Erzbischof von Istanbul tut recht daran, zum Wohl der ihm unterstellten Christen alles ihm Mögliche zu tun - nur eines sollte er nicht: den orthodoxen Glauben, der untrennbar mit der Kirche verbunden ist, ins Lächerliche ziehen. Das jedoch geschieht momentan in großem Stil durch Wort und Tat. Das Wesen der Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen, versammelt als Glieder Christi in der Gnade des Heiligen Geistes, kann unmöglich dem politischen Kalkül untergeordnet werden, wie es momentan geschieht. Das Weihesakrament ist sichtbarer und unsichtbarer Ausdruck des Glaubenslebens der Kirche durch das Zusammentreffen von Bestellung und Einsetzung des Weiheempfängers. Dieses Zusammenspiel ist Ausdruck des Glaubens der Kirche, daher kann die Weihe "genommen" werden, wenn wesentliche Elemente des Glaubens nicht mehr gegeben sind. Das ist der Fall bei klerikalen Angehörigen der durch den Phanar in Istanbul geförderten "Kirche der Ukraine". Ein so schwerwiegender Umstand kann nicht durch ein rechtliches Dokument, wie seitens des Phanar geschehen, für nichtig erklärt werden, ohne wesentliche Elemente des orthodoxen Glaubens beiseite zu schieben. Und nicht umsonst wird eine Weihe bei Wiederaufnahme von solchen "Klerikern" in die orthodoxe Kirche nachgeholt. Leider wird diese Theologie momentan komplett umgedreht. Ein "Erzbischof von Konstantinopel" habe als "ökumenischer Patriarch" historisch verbrieftes Recht, um Ordnung zu schaffen und um die Ordnung der Kirche zu wahren. Die Kirchen der heutigen "Ökumene", der realen und oft sehr bedrängten, sollten nicht den "Kaiser" suchen, der ihnen Schutz und Hilfe gewährt. Er wird sich nicht in den USA oder im Kreml oder sonstwo finden lassen, denn es gibt ihn nicht mehr. Die Kirchen heute und jetzt müssen Christus verkörpern durch ihre Beten und Handeln. Bei aller Not und aller Hilflosigkeit angesichts der menschlichen, sozialen Realitäten ist es die tröstliche Antwort, die ein für allemal gegeben ist - die für uns heute aufgeschrieben wurde: "Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des Ewigen Lebens!"

Freitag, 20. November 2020

Steht fest im Glauben!

Es ist ein ganz und gar biblisch inspirierter Leitsatz, der als Thema und Aufhänger dient (vgl. 1 Kor 16,13). Die Heilige Schrift ist denn auch erste und letzte Instanz für alles Handeln des Christen, und zwar nicht in Form individueller Interpretation, sondern gegründet auf die Kirchlichkeit, die das Leben des orthodoxen Christen prägt. Das Zeitalter virtueller Informationsverbreitung bringt es mit sich, dass nicht nur viel konsumiert, sondern auch viel produziert wird an Nachrichten. Neben den desaströsen Folgen ungezügelter Nachrichtenschwemmen gibt es auch Vorteile: der Mensch kann sich bilden und sich weiterbilden. Schließlich kann sich ein Christ nicht aus dem Hier und Jetzt herausnehmen und so tun, als könne er völlig losgelöst dem Alltag entkommen. Heute erschien, französischsprachig, ein Beitrag, der die Ekklesiologie der "nouvelle théologie" des Phanar kritisch hinterfragt: HIER. Schon der Titel hat, auch übersetzt, Bekenntnischarakter: "Die Sache ist jetzt klar!" Es geht denn auch um nichts Geringeres als um die Darlegung der Differenzen, die sich in den letzten Verlautbarungen des Patriarchen Bartholomäus auftun im Bezug auf die traditionelle orthodoxe Lehre. Das "primus sine paribus", das "Erster ohne Gleichrangige", wird im zitierten Beitrag als häretisch, das heißt also, als stark verkürzender (und somit verfälschender) Auszug aus der gültigen Lehre der Kirche, gebrandmarkt. Nichts weniger als dogmatische Gründe werden nunmehr auch, nach zwei Jahren gemäßigter Kommunikation, angeführt als Begründung für die Aussetzung der Kommemoration des Erzbischofs Chrysostomus von Zypern: die kirchliche Gemeinschaft mit Schismatikern (d.i. mit den vom Phanar 2018 anerkannten Mitgliedern seiner neugebildeten ukrainischen Nationalkirche) ist nicht zu rechtfertigen: HIER. "Jetzt ist die Sache klar!", so sagt es die Überschrift des oben zitierten Beitrags. Klar ist nunmehr, und tatsächlich nicht erst seit heute, dass gravierende dogmatische Gründe einen Bruch in der Orthodoxie haben entstehen lassen. Kreise zieht dieser Bruch, der theologisch grundgelegt ist, auch bis in die deutschsprachige Sphäre. Der griechische Metropolit Arsenios von Österreich hat schon vor Wochen theologisch verstörende Gedanken geäußert, die bis jetzt noch unverdaut sind. Sie sind, veröffentlicht HIER in der "Tagespost", auch nicht berichtigt worden und somit wohl geltende Meinung des Metropoliten. Das verstört umso mehr und umso tiefer, weil sie grundlegende kirchliche Strukturen, etwa die diözesanen, ad absurdum führen. Selbst im noch einigermaßen rechtgläubigen Mittelalter konnten im Westen solche Theorien nicht als Lehrmeinung der (römischen!) Kirche durchgehen, die heute scheinbar höchste Billigung des ökumenishcen Patriarchen besitzen, wenn sie nicht sogar mit Gewalt durchgesetzt werden sollen. So erscheint es beinahe, wenn man Verlautbarungen des Patriarchen Bartholomäus liest, die in den letzten Wochen erschienen sind, etwa HIER. Es kann beruhigen, dass Klarheiten geschaffen sind. Es bleibt verstörend, wie wenig sich die Kirchenpolitik aus den handfesten Folgen eines solchen Handelns zu machen scheint. Es geht schließlich um nichts weniger als den mystischen, geheimnisvollen Leib Christi. Möge der Himmlische König, der Geist der Wahrheit und Spender des Lebens, einem jeden von uns die Kraft und Einsicht schenken, das Rechte zu tun und zu bekennen!

Mittwoch, 4. November 2020

Dankbarkeit

Es ist gerade ein Jahr her, dass sich der älteste Zweig der außerhalb Rußlands existierenden Diözesanverbände des Moskauer Patriarchats, das "Erzbistum der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa", wieder als Diözese in die Obedienz seiner geistlichen Erzeugerin bzw. Mutterkirche begeben hat. Nach dem in Rußland gültigen kirchlichen Kalender fiel der letzte offizielle Tag der Feierlichkeiten zur Wiedervereinigung (vom 2. bis 4. November 2019) auf das Fest der Gottesmutterikone von Kasan, die unter diesem Titel als Schutzpatronin des russischen Landes verehrt wird. Das "Erzbistum" war lange Jahrzehnte jurisdiktionell einem anderen Patriarchat angeschlossen, dem ökumenischen mit Sitz im Phanar. Vielleicht waren es die sich immer schneller drehenden Mühlen der Bürokratie und der Diplomatie, die die Wiedervereinigung am 3. November 2019 in Moskau haben zustande kommen lassen. Zumindest kann es heute nur providentiell erscheinen, dass sich zumindest ein Zankapfel der orthodoxen Welt eindeutig positionieren musste und durfte. Dass leider auch da Zwistigkeiten und Verärgerungen zu Trennungen geführt haben, ist nicht zu verschmerzen, aber - so scheint es - keine Tür ist in diesem Fall wirklich zugefallen und verbaut. Für weite Teile der orthodoxen Welt ist das Ereignis der Wiedervereinigung von zwei in langen Jahren eher auseinandergedrifteten Institutionen ein Anlass zu großer Dankbarkeit, denn es ist ein Segen und segenreich für alle, denen die Einheit und der orthodoxe Glaube am Herzen liegen. Manches Mal könnte es so scheinen, als sei ein diplomatischer Akt vor Gott zu einem Sprungbrett geworden: nämlich zur Überwindung immer gewichtiger erscheinender Mauern und Vorurteilen, die sich in den Augen Gottes wohl allesamt als dürftige Vorbehalte erweisen werden. Die Dankbarkeit sollte umso größer sein, als sich jetzt nur noch tiefere Abgründe der Uneinigkeiten auftun in den orthodoxen Kirchen. Immer mehr tun sich allerdings auch theologische Abgründe auf, die nicht mehr kaschiert werden, da sie als gegeben präsentiert werden: die Abgründe einer Ekklesiologie, die sich noch nicht einmal mehr den Mantel der apostolischen Orthodoxie überwirft. Es ist die Ekklesiologie der Ansprüche und Vorränge, nicht mehr die der Communio und der Communicatio. Es geht scheinbar um Werte und Kultur, dabei lägen sie doch gerade im Wesen der wirklich orthodoxen Ekklesiologie begründet: Es wären die Werte der Hinordnung auf den einzigen Herrn und Hirten der Kirche, auf den Erlöser und Bischof unserer Seelen, auf Jesus Christus. Dankbarkeit und gewissenhaftes Bekenntnis sind die wesentlichen Früchte jenes aufrichtigen Wiederfindens der alten kirchlichen Communio, wie es für das "Erzbistum" und das Moskauer Patriarchat der Fall ist. Dass es Wunden und Verletzungen gab und gibt, bleibt dann nebensächlich, da sie auf der Grundlage der gemeinsamen Fundamente heilbar sind. Viel wichtiger ist aber wohl jetzt noch, dass diese Wunden endlich verbunden werden, da viele von ihnen erst jetzt wirklich angeschaut und gereinigt werden können. Wenn das geschehen ist, darf die Ausheilung in Ruhe und gründlich vor sich gehen; aber sie wird zur völligen Gesundung führen! Die Dankbarkeit dafür wird zum Gebet um die Wiederherstellung des wirklich orthodoxen Glaubens: Auf die Gebete unserer heiligen Väter, Herr Jesus Christus, unser Gott, erbarme Dich unser!

Dienstag, 15. September 2020

Archevêché des églises orthodoxes de tradition russe en Europa occidentale

Drei Generationen in Christus: der hl. Patriarch Tichon, Patriarch Kyrill, Erzbischof Jean
 
 

Vor einem Jahr, am 14. September 2019, hat der Bischof des einstigen Exarchats der Rue Daru in Paris, Erzbischof Jean Renneteau, um Aufnahme in die Jurisdiktion des Moskauer Patriarchats gebeten: ein denkwürdiger Tag für die orthodoxen Christen in Westeuropa. Gerade zu diesem Jahrestag erschien nun in den Abgünden von Facebook u. ä., genauer gesagt auf der Seite der "Église locale en Europe occidentale", eine Zusammenfassung zur "Assemblée générale" der Gemeinden des "Erzbistums der orthodoxen Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa" am 7. September 2019. Ein großes Problem der Rezeption jener "Assemblée", also einer gesetzlich festgelegten Zusammenkunft aller bei der 'Association' nach französischem Recht Eingeschriebenen bzw. ihrer gewählten Vertreter, ist die Vermischung grundlegender Ziele. Die Kirche kann nicht wie ein eingetragener Verein agieren. Eine Assoziation kann nicht mit ekklesiologisch argumentieren, wenn es um Vereinssatzungen geht. Es kann hier nicht um die Frage gehen, ob die Kirche sich vor einem Staat als Verein einschreiben lassen sollte... Es geht aber sehr wohl um die Frage - und zwar betrifft das alle orthodoxen Christen, da das besagte "Erzbistum der Rue Daru" eher bescheiden zu nennen ist -, was die Kirche ausmacht: Sie besteht aus den vielen Menschen, die auf Christus getauft sind, doch immer nur unter den Vorzeichen der unaufgebbaren Realia. Die Kirche lebt davon, dass sie auf Christus hin organisiert ist, dass ein Bischof ihr vorsteht - und dabei ist es egal, welchen Titel er führen kann. Zu den Realia gehört gleichfalls die unumstößliche Notwendigkeit, dass die Kirche niemals zu einer Demokratie werden kann, will sie nicht aufhören, Kirche zu sein. In der Kirche kann niemals ein "Volk" herrschen, da in ihr einzig die Herrschaft des menschenfreundlichen Gottes zugelassen ist. Was passiert, wenn eine Vermischung gewisser Ebenen vorgenommen wird, ist in der oben erwähnten (französischsprachigen) Zusammenfassung zu lesen, die hier aber nicht verlinkt werden soll. (Sie ist abrufbar auf der besagten Facebook-Seite unter dem 7. September.) Das "Erzbistum Rue Daru" hat seit der Entscheidung seines Bischofs, zur Mutterkirche von Moskau zurückzukehren, den für die Kirche so notwendigen Frieden wiedergefunden. Die orthodoxen Kirchen hingegen kämpfen immer noch um den Frieden Christi; ein trauriges Spiegelbild dieser verzweifelten Suche nach dem Frieden ist die Facebook-Seite der "Église locale en Europe occidentale": Dort wird geschimpft und gehadert, verleumdet und verurteilt. Es ist eine beschämende Lektüre, die jedem auf's Gemüt schlägt, der die Grundbegriffe akademischer theologischer Wissenschaft zumindest ansatzweise mitbekommen hat. Der Jahrestag der ekklesiologisch so wichtigen Entscheidung des Erzbischofs Jean Renneteau ist genau deshalb für alle orthodoxen Jurisdiktionen so denkwürdig, weil er alle Luftschlösser orthodoxer Befindlichkeiten grundlegend erschüttert. Die Entscheidung des französischen Bürgers Jean Renneteau als Präsident einer "Assemblée générale" zur Anerkennung eines Mehrheitsbeschlusses wäre der Todesstoß für ein orthodoxes Bistum gewesen, denn die Kirche kann und darf sich nicht zum Verein machen. Denn in ihr würden dann nicht mehr die Menschen in ihrer Hingeordnetheit auf den dreieinen Gott zählen, sondern nur noch Paritäten, Mehrheiten, Wahlregeln und Mitspracherechte. Der 14. September 2019 war - auch wenn die Rue Daru dem julianischen Kalender folgt - demnach wirklich ein dem lebenspendenden Kreuz geweihte Tag. Es war ein Tag, auf den sich alle orthodoxen Jurisdiktionen besinnen sollten, denn in dem mehr als bescheidenen Rahmen eines Exilbistums in Paris hat der orthodoxe Glaube zu einer ungeahnten Größe zurückgefunden, die auch die Person des Erzbischofs Jean Renneteau übersteigt, dem es scheinbar wirklich nur um die Menschen geht, die den Weg, die Wahrheit und das Leben suchen.  

Mittwoch, 15. Juli 2020

Eine verhangene Theologie

Historisierende Illustration zu einer Rekonstruktion des Klangraums der historischen Hagia Sophia
Die Wellen der Empörung schlagen hoch, da die einstige Bischofskirche Konstantinopels nach etwa 100 Jahren als Museum wieder zur Moschee werden soll, was sie seit 1453 war. Dass dieses Kirchengebäude zweifellos von großer Ehrwürdigkeit ist, sollte niemand mit Verstand bezweifeln. Wenn man jedoch lesen kann, dass die Hagia Sophia der "heiligste Ort der Orthodoxie" sei, dass - an gleicher Stelle zu lesen - der "ganzen Nation innigster Wunsch" in Erfüllung gegangen ist, als im Jahr 1919 eine Liturgie in diesem Kirchengebäude gefeiert wurde, und dass das ein Priester tat, der - wieder im gleichen Text zu lesen - ein Vertreter des "Hellenismus" war, dann darf man die Theologie hinter diesem Wunsch in Zweifel ziehen.

Donnerstag, 2. Juli 2020

Hagia Sophia - Kirche, Museum, Moschee... und die Mission der Christen

Hagia Sophia in Istanbul, Quelle: Wikipedia
Wie zu lesen ist, z. B. HIER, hat der oberste Gerichtshof der Türkei in einer gerade einmal 20-minütigen Sitzung entschieden, dass die einstige Kirche "Hagia Sophia" in Istanbul auf Präsidentialbeschluss wieder zur Moschee werden darf. Die Entrüstung seitens vieler orthodoxer Gläubigen ist verständlich, wurde in dieser Kirche doch nicht zuletzt auch Kirchengeschichte geschrieben: in ihr feierten die Vertreter des hl. Wladimir von Kiew den Gottesdienst zusammen mit den einheimnischen Gläubigen - und wußten nicht, "ob sie im Himmel oder auf Erden sind". Das war der Wendepunkt im oft unrühmlichen Kampf der christlichen Kulturen um Einfluss im Osten. Die Slawen wendeten sich dem östlichen Christentum zu, nicht dem westlichen mit seinem Zentrum in Rom. Es wäre hingegen mehr als verräterisch, würde sich die Befürchtung des Patriarchen Bartholomäus bewahrheiten, dass diese Entscheidung der Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee zum weiteren Zerwürfnis zwischen Christentum und Islam beitragen werde. Verräterisch deswegen, weil nichts dem Evangelium mehr widerspricht,

Dienstag, 16. Juni 2020

Ein pfingstliches Anliegen - das Gebet um die Einheit der Kirche

Synaxis der Ersthierarchen - Chambésy 2016
 In einer Zeit, die angefüllt ist mit Engführungen und Verlockungen aller Art, die das Echte und Aufrichtige nicht wirklich zu schätzen scheint, sondern eher das Aufgeblasene und Simple, sollte ein Gegenpol gesetzt sein. Vielleicht finden sich viele, die das Anliegen unterstützen:
Kanavka - das Gebet um die Einheit der Kirche

Mittwoch, 29. Januar 2020

Was es heißt, Ortskirche zu sein

Der hl. Apostel Jakobus umgeben von anderen Bischöfen unterschiedlicher "Ortskirchen" 
Ikone aus Kiew, Wikimedia

Es braucht nicht viel, um allenthalben auf diverse Plattformen (z.B.) zu stoßen, die - orthodoxerseits - die "Ortskirche" oder "Lokalkirche" in den Fokus rücken. Vor allem in Frankreich und in den französischsprachigen Ländern war und ist diese Bestrbung nach einer lokalen orthodoxen Kirche stark, nicht erst seit den Versuchen der Kowalewski-Brüder, die Orthodoxie auch in einem liturgisch-rituellen Kontext westlich werden zu lassen. Auf der oben verlinkten Seite wird tatsächlich momentan kritisch beurteilt, was sich orthodoxerseits an Schwierigkeiten auftut. Hauptkritikpunkt ist entweder die Unterwerfung unter eine, wie man sagt, politisch dominierte Kirche Moskauer Prägung oder aber das Beklagen des Fehlens einer Unterstützung durch andere orthodoxe Kirchen. Dass der Phanar nurmehr sehr schlecht wegkommt, darf nicht verwundern, sind manche der Kommentatoren doch ehemalige Daru-Gemeindemitglieder - eines Erzbistums also, das als "Exarchat" des ökumenischen Patriarchen im Jahr 2018 aufgelöst wurde und erst Ende 2019 wieder zu seiner Gründerin, der Kirche von Moskau, zurückkehren konnte. Viel wichtiger ist bei näherer Betrachtung allerdings der Umstand, dass die einschlägigen Kommentare vor allem eines betonen: eine Ortskirche darf nicht abhängig sein.

Freitag, 11. Januar 2019

Druck von außen: Jerusalem, die Mutter aller Kirchen

Patriarch Theophilos III. von Jerusalem. Bild: Wikipedia

Nach der Unterzeichnung des Dekrets zur Autokephalie der ukrainischen Entität auch durch die Mitglieder der Synode im Phanar in Istanbul, die öffentlich angemahnt wurde, kann man schon so bald erste Anzeichen für das von Metropolit Savva von Polen vorausgesagte "Chaos" ausmachen: Die Kirche von Jerusalem sieht sich, wie es heißt, massiv unter Druck gesetzt, mit Mitgliedern der neuen ukrainischen Entität zu konzelebrieren. Im konkreten Fall ist das der aus der kanonischen ukrainischen Kirche abgewanderte Alexander Dabrinko, der im Gegensatz zu den meisten anderen Mitgliedern des Klerus der neuen "orthodoxen Kirche der Ukraine" - der die kanonischen orthodoxen Kirchen die Anerkennung versagen - eine anerkannte Weihe empfangen hatte. Der Druck auf die Jerusalemer Kirche käme von unterschiedlichen Seiten, auch aus dem Phanar, aus den USA und Israel. Allerdings ist das Jerusalemer Patriarchat nicht bereit, mit der nur vom Phanar in Istanbul anerkannten neuen Entität in der Ukraine zu konzelebrieren. So wurden bei einer Liturgie in der Anastasis alle anwesenden Ukrainer von Erzbischof Aristarchos von Konstantina ausnahmslos nach ihrer kanonischen Zugehörigkeit befragt (s. Quelle oben).
Es ist übrigens zu bezweifeln, dass es sich in dieser Angelegenheit nur um ein Säbelrasseln im Machtkampf handelt. Die Kirche von Russland hält sich nämlich, so wird betont, strikt an die kanonischen Regeln der orthodoxen Kirche, ob ihr die sich daraus ergebende Entscheidung passt oder nicht! Was sich abspielt, sieht nach einer Konfrontation geistlichen Ausmaßes aus, was viel schwerwiegender ist als Machtspiele. Irgendwann werden die Kirchen Stellung beziehen müssen und sich für oder gegen die Orthodoxie zu entscheiden haben.  

Donnerstag, 10. Januar 2019

Ein Supermarkt für Kultur, Stil und Machtansprüche?

aus: "Parlons d'orthodoxie" (s. Verweisung weiter unten)
 Bald will es scheinen, dass mancherorts Kirchlichkeit mit Opportunismus in einen Topf geworfen wird. Dass sich der Phanar in Istanbul nun hinsichtlich der sogenannten "ukrainischen Kirche" getäuscht sieht, kommt nicht unvermittelt. Mittlerweile treffen die Antworten der anderen Kirchen in Istanbul bei Patriarch Bartholomäus ein, um die er sie bzgl. der Ukraine-Frage gebeten hatte: Sie entsprechen nicht seinem Wunsch, die neugeschaffene Entität anzuerkennen, bezweifeln sogar zu Recht die Weihen der dort eingesetzten Männer. Und dann wird jener "Patriarch der Ukraine" mit Ehren überhäuft, wird zum "Held der Ukraine" ernannt vom Promotor der Autokephalie, P. Poroschenko, jener Autokephalie, die auf Kosten der Kirchlichkeit durchgesetzt werden sollte. Es bleibt der bittere Geschmack, dass es vor allem Hass und unversöhnlichkeit sind, die der ukrainischen Kirche ein einziges Haupt geben sollten.

Montag, 5. November 2018

Florenz - eine Gemeinde liefert die Antwort

"Eifrige Schützerin, Mutter des allerhöchsten Herrn, für alle bittest du deinen Sohn, Christus, unsern Gott, und allen erwirkest du Rettung, die fliehen unter deinen mächtigen Schutz!"

Am gestrigen Sonntag wurde in der Gemeinde von Florenz ein Schreiben des zuständigen Bischofs von Richmond der russischen Auslandskirche verlesen [siehe dazu: Quelle], in dem er die Gemeinde beglückwünscht, dass sie nunmehr ein gesegnetes liturgisches Gemeindeleben führen können. Alle Suspensionen seien nichtig (d.h. die am 1. November vom vormaligen Bischof der Gemeinde, dem des Exarchats der russ. orthod. Gemeinden in Westeuropa / ökumen. Patriarchat ausgesprochene Suspendierung der Gemeindepriester). Das zeigt leider auch, dass das ökumenische Patriarchat als nicht mehr zur orthodoxen Kirchengemeinschaft zählend angesehen wird, da die Gemeinde in Florenz die Ordnung für einen Wechsel der Diözese nicht eingehalten hatte - d.h. die Bitte um Entlassung aus einem Bistum vor der Eingliederung in ein anderes Bistum, was einem angemessenen Verhalten unter Christen entspräche. Die sehr eindeutige Antwort der russ. Auslandskirche auf eine im Raum schwebende Frage kann mehr als nur beunruhigen. Sie lässt daran denken, dass man von dogmatischen Hindernissen für eine "communio in sacris" mit dem ökumenischen Patriarchat ausgeht. Zumindest diese Schlußfolgerung ist bei manchen Wortmeldungen auch griechischer Hierarchen nicht auszuschließen.

Ein Blick auf römische Verhältnisse und darüber hinaus

Moscow Our Lady of Kazan.jpg
Gottesmutter von Kasan - "eifrige Schützerin und Mutter des allerhöchsten Herrn"
 
Schon vor Jahren konnte man einen bewanderten Jesuiten vernehmen, der über die mit Rom vereinten Christen östlicher Prägung (vor allem die sogenannten "Melkiten" im Vorderen Orient) ein interessantes und denkwürdiges Wort gesprochen hat: Diese griechisch-katholischen Unierten würden gerade deshalb so festhalten an ihrem Band mit dem römischen Papst, weil der Vatikan eine Instanz außerhalb der politischen Machtebenen sei! Diese außerpolitische Instanz und Bindung sei, nach dem Zeugnis unierter Bischöfe, unermesslich wichtig, um sich im Wirrwar des politischen Alltags in Israel, Palästina etc. etc. dem eigentlichen christlichen Zeugnis und der eigentlichen Berufung authentisch und glaubwürdig widmen zu können. - Und wo stehen wir im Ukraine-Konflikt? Auf welche Kräfte hört man? Wo positioniert sich die Politik im Land selbst, in den USA, in Rußland? Welche Realitäten ziehen welche kanonische Folgen nach sich? Eher Abneigung und Abgrenzung .- hin zu einer zweifelhaften Einheit? Es stellt sich die Frage nach dem kirchlichen Handeln, wo doch mittlerweile fast alle orthodoxen Patriarchate die Lösungsversuche in der Ukraine als gegen die kanonische Ordnung verstoßend eingestuft haben. Und wie sind die Früchte des Baumes, an denen man die Qualität des Baums erkennen sollte? Zumindest eine Frucht erweist sich als bitter: Dass eine ganze Pfarrgemeinde nicht mehr an die Zugehörigkeit ihres Bischofs zur orthodoxen Kirche glaubt (es handelt sich im die Gemeinde in Florenz und den Erzbischof des Exarchats der russ. orth. Gemeinden in Westeuropa, zum ökumenischen Patriarchat gehörig): Das ist nicht nur ein Desaster auf der menschlichen Ebene, da hier die kirchliche Gemeinschaft an sich zur Disposition steht.