Freitag, 29. November 2013

Notre-Dame de l'Atlas in Tibhirine

Wie die Webseite des Ordens meldet, wurde Dom Thomas Georgeon (La Trappe) auf Vorschlag von Generalabt Eamon und seinem Rat von Erzbischof Bader von Algier zum Postulator des Kanonisationsprozesses von Bischof Pierre Claverie und achtzehn Gefährten (darunter auch unsere sieben Mitbrüder von Tibhirine) ernannt.
Eine Meldung ohne weltbewegende Auswirkungen, könnte man sagen - doch in einer Welt, in der bedeutende Klöster und Kirchen staatlicherseits in Moscheen umgewandelt werden (wie in der Türkei aktuell z.B. das berühmte Studion-Kloster), weil sie irgendwann einmal aus christlicher Hand in die muslimische übergegangen sind, bleibt das Ausrufungszeichen des christlichen Bekenntnisses ungeheuer wichtig. Scheinbar ist die aufgeklärte und unaufgeklärte Welt noch nicht so weit, Machtspiele und Machtvergleiche zu entlarven und zu demaskieren. Wer größer und stärker und mächtiger sein will als sein Mitmensch, der sollte sich fragen, wann er damit beginnen möchte, als Mensch zu denken und zu handeln.  

Freitag, 22. November 2013

Campus Galli, Illusion und Wissenschaft

Als ein mit den Herausforderungen von Mönchtum, Wissenschaft und Verlagswesen Vertrauter ist mir das Projekt des "Campus Galli" schon seit längerer Zeit bekannt. Und natürlich verfolge ich - halbherzig, ich gebe es zu - die Diskussionen im Netz. Seit Eröffnung der Baustelle im Juni d.J. schlängele ich mich durch die teils nur schwer lesbaren Kommentare der Gegner und Befürworter des Projekts und lese interessiert die fundierteren Reflexionen - vor allem im Blog des Hiltibold. Ein Wörtchen mit besonderer Sprengkraft ist mir dort hängengeblieben: "desillusioniert".
Nun hat mich in meiner Karriere vor allem eines immer stark gebremst, nämlich das Klischee. Sobald sich Klischees auftaten, brauchte es Stunde um Stunde an Arbeitskraft und Quellenstudium, um eben jenes Schubladendenken zu entkräften.

Donnerstag, 21. November 2013

Darbringung der Gottesmutter im Tempel

Der heutige Festtag wird in der Kirche gefeiert als Erinnerung an die Auserwählung der Gottesmutter. Sie ist der "reineste Tempel des Retters, das kostbarste Brautgemach, die heilige Schatzkammer der Herrlichkeit Gottes". Allein diese Titel verdeutlichen den Bezug des Feiertags zum Weihnachtsfest, in dessen Vorbereitungszeit es immer fällt. Die Gottesmutter wurde als Kind in den Tempel gebracht, um dort dem Herrn geweiht zu werden, weshalb das Fest auch "Mariae Opferung" genannt wird. Der Hohepriester Zacharias empfing sie dort und führte sie in das Allerheiligste, in das eigentlich nur der Hohepriester eintreten darf. Dort wurde Maria so mit der Gnade Gottes erfüllt, dass sie tanzend ihrer Freude Ausdruck verlieh. - Allein diese wenigen Hintergründe zum Fest der Darbringung der Gottesmutter zeigen auf, wie die Liturgie der Kirche das Heilsgeschehen gegenwärtig machen möchte. Die Gemeinschaft der Gläubigen soll selbst hineingenommen werden in die Freude der Gottesmutter, in ihren Jubel über das Heilswirken Gottes. Deshalb heißt es in einem anderen liturgischen Text des Feiertags: "Heute nimmt das Wohlgefallen Gottes seinen Anfang, heute wird die Erlösung der Menschen im voraus verkündet." Ein wirklicher Grund zur Freude also!  

Montag, 18. November 2013

Ein Schnappschuss fürs Herz


... von Metropolit Stephanus von Tallinn und einer seiner Diözesanen, aufgenommen während des Pastoralbesuchs von Patriarch Bartholomäus in Estland im Spätsommer 2013.


Montag, 11. November 2013

Der hl. Martin und der Bettler

Kopfreliquiar des hl. Martin im Louvre. Wikimedia commons
Das Fest des hl. Martin ist noch immer ein Wendepunkt im kirchlichen Westen. Nicht mehr die Vorbereitung auf das Weihnachtsfest im geistliche Sinne spielt da eine Rolle, sondern vielmehr die Erinnerung an die barmherzige Liebe, die Martin von Tours als Soldat am Stadttor von Amiens bewog, seinen Mantel mit dem Bettler zu teilen. Der hl. Martin hat später das Mönchtum im Westen beheimatet. Es war seine Art, der Kirche Christi zu dienen - als Mönch und als Bischof. Bei seinem Tod und seinem Begräbnis sollen aus allen Ecken und Enden Mönche herbeigeströmt sein, die ihrem geistlichen Vater ein ehrendes Gedenken widmen wollten. Sein Akt der Barmherzigkeit am Stadttor von Amiens war nicht einfach ein soldatisch-christlicher Akt der Hilfe, sondern Ausdruck der Bamrherzigkeit Gottes, die durch den hl. Martin konkrete Gestalt angenommen hat. Der hl. Martin der Barmherzige ist noch heute hochverehrt, auch durch Prozessionen und durch Martinsspiele wird das deutlich. Als lebendige Ikone verdient er es, nachgeahmt zu werden. Dass bald nach seinem Fest die vierzigtägige Fastenzeit vor Weihnachten beginnt, verdiente übrigens auch eine neue Würdigung.

Sonntag, 27. Oktober 2013

In memoriam Erzbischof Gabriel von Komana - + 26. Oktober 2013

Erzbischof Gabriel von Komana - * 13. Juni 1946 - + 26. Oktober 2013

Die Homilie von Erzbischof Gabriel am Fest des hl. Siluan über die Seligpreisungen ist mir noch gut in Erinnerung: Sie hatte einige Anknüpfungspunkte mit der Theologie des Schriftstellers Edzard Schaper (eines großen Sprachkünstlers) - und das ist eine ungemein berührende Erinnerung. Es geht nicht darum, Gott alle Gebote und Gesetze vorzurechnen, die man einhalten konnte! Es geht darum, Gott die - durch die Sünde - schmutzigen und zudem auch noch leeren Hände anzubieten. Die Gebote hochzurechnen und zur eigenen Beruhigung auf ihnen herumzureiten, macht das Herz nicht unbedingt reiner und weiser. Die Seligpreisungen zu verinnerlichen und sich täglich in ihrer Umsetzung zu üben, kann ein Menschenleben im besten Sinne reich machen.
Erzbischof Gabriel von Komana ist in der Nacht des 26. Oktober heimgegangen zu Gott. Er war für die Menschen, denen er begegnet ist, ein impulsiver und herzlicher Bischof. Seine schwere Erkrankung hat er als Berufung verstanden, sich verstärkt auf die Gottesliebe einzulassen und den Weg bis zum endgültigen Anfang weiterzugehen.     

Freitag, 25. Oktober 2013

Von Mönchen und Poeten

Photo: Novy Dvur
Die Seite "Vie cistercienne selon la règle de saint Benoît" veröffentlicht das Programm einer Tagung über Mönche und Dichter. Die Zisterzienser können zahlreiche Poeten in ihren Reihen nennen, Zeitgenossen und historische Persönlichkeiten, bekannte und weniger bekannte Namen. Die "militia Christi" der Zisterzienser ist als markante Reformbewegung des westlichen Mönchtums bekannt. Die eher straff strukturierte Verfasstheit dieser monastischen Familie war zumindest bis zu den Veränderungen der letzten 50 Jahre geprägt von strenger Disziplin und größtmöglicher Verplanung des Tageslaufs. Einen poetischen Mönch in einer solchen Umgebung zu finden, könnte daher sonderbar anmuten. Das Klischee des vertrockneten, da strengen und streng erzogenen Zisterziensers kann trotzdem getrost ad acta gelegt werden. Wie überall, so wird es auch einen solchen gegeben haben und geben, aber der Beweggrund, Mönch werden zu wollen, liegt nicht in Rigidität oder Lust an der Strenge, sondern in der Leidenschaftlichkeit für Gott. Ein schönes Buch, vor Jahren schon erschienen und geschrieben vom verstorbenen Abt von La Trappe, Dom Marie-Gérard Dubois, heißt schlicht: Le Bonheur en Dieu, also: Die Freude an Gott. Neben den vielen leidenschaftlichen Texten der alten und weniger alten Zisterzienserpoeten kann dieser Buchtitel eigentlich beispielhaft verdeutlichen, zu was das Mönchtum zisterziensischer Prägung beruft, nämlich einzig zur Freude an und in Gott. Unmöglich für den Menschen, alle Gebote und alle Observanzen einzuhalten. Doch mittels der schieren Freude, in Gottes Gegenwart zu sein, wird das Unvermögen und die Sünde zum kontinuierlichen Anruf, sich zu Gott zu bekehren. Allein das reicht schon aus, um der Poesie weiten Raum geben zu können.